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Meeks Cutoff

von Kelly Reichardt; USA 2010; 102 Min.; FSK: ab 6; O.m.dt.U.; Kamera: Christopher Blauvelt; Musik: Jeff Grace;
mit Michelle Williams, Bruce Greenwood, Will Patton, Zoe Kazan, Paul Dano, Shirley Henderson, Neal Huff, Tommy Nelson, Rod Rondeaux u.a.



1845, in den frühen Tagen des Oregon-Trails, heuert ein kleiner Treck mit 3 Familien den Trapper Stephen Meek an, um sie über die Cascade Mountains zu führen. Meek gibt vor, eine Abkürzung zu kennen, und führt die Gruppe auf einen unmarkierten Weg über die Hochebene, wo sie sich in der Felsenwüste verlaufen. Die Wasservorräte gehen langsam zur Neige, und die Siedler beginnen, Meek zu misstrauen. Ein Indianer kreuzt ihren Weg, und die Gruppe muss sich entscheiden, ob sie sich diesem, von ihnen als natürlicher Feind angesehenen Eingeborenen anschließen soll, oder weiterhin dem Mann vertrauen, der sich bisher als zutiefst unzuverlässig erwiesen hat.


„Und tatsächlich ist ,Meek’s Cutoff‘ unter all den Filmen, die jüngst die Sparte wiederbelebt haben (,Cowboys & Aliens‘, ,Rango‘, ,True Grit‘) der einzige klassische, vollkommen unironische. Reichardt kehrt zu den Wurzeln des amerikanischen Gründermythos zurück – in die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts, als die großen Wagentrecks nach Oregon aufbrachen, sozusagen ans Ende der USA. (…)
Man könnte ,Meek’s Cutoff‘ für einen alternativen Western halten, der den weiblichen Anteil an der Besiedlung des Westens aufwertet und en passant die aufwendigen Western der Cinemascope-Ära konterkariert. Aber dann nehmen die Weißen einen versprengten Indianer gefangen, und plötzlich stehen wir mitten in einer politischen Parabel, die entschieden übers Genre und seine Geschichte hinausweist. (…)
Aus der Mikroökonomie des Pionierwesterns entwickelt ,Meek’s Cutoff‘ die Vision einer Gesellschaft, die eine Zivilisation hinter sich gelassen hat und inmitten einer immer noch unbegriffenen Natur im Dreck steckt. Das wirkt beinahe postapokalyptisch, aber im Unterschied zu den Katastrophengeschichten, die das aktuelle Kino zwischen ,2012‘ und ,Melancholia‘ sonst so erzählt, geben Reichardts reduzierte Bilder der Reflexion Raum. Wenn wir noch mal von vorne anfangen müssten – wie würden wir uns organisieren? Was würden wir als Ballast abwerfen, was mitnehmen? Könnten wir unsere Humanität bewahren? Offenbar lassen sich aus dem kleinen Format große Funken schlagen.“
(Sabine Horst, „Der Tagesspiegel“)


„Kelly Reichardts gleichsam empirische Sachlichkeit, die Betonung der praktischen Vorgänge des Lebens, der Blick auf das Alltägliche im Dramatischen, erzeugt alles andere denn entzauberte oder nüchterne Bilder. Im Gegenteil. Von einer Horizonttotalen zur nächsten, von Nachtaufnahmen, in denen der Schein eines Windlichts die Figuren auf ihren magisch flackernden Umriss reduziert, bis zu perfekt durchgestalteten Bildkompositionen ist ,Meek’s Cutoff‘ große Leinwandpoesie, geschult an der impressionistischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. (…)
Zwei Stunden dauert ,Meek’s Cutoff‘, zwei Stunden Schönheit und klasse Frauen.“ (Die Zeit)

Läuft am Di., 31.1., und Mi., 1.2., jeweils um 21.00 Uhr.
Ermässigter Eintritt für Schüler & Studenten: 6,– Euro.
Internetseite: www.peripherfilm.de/meekscutoff









True Grit

von Ethan und Joel Coen; USA 2010; 110 Min.; FSK: ab 12; CinemaScope; Kamera: Roger Deakins; Musik: Carter Burwell;
mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper, Dakin Matthews u.a.



„Im altmodischen Gewand des Westerns verhüllen die Coen Brüder mit ,True Grit‘ eine Allegorie über den Wunsch nach Rache und ihre unvorhergesehenen Folgen. Wie bei diesen Regisseuren nicht anders zu erwarten ein exzellent gefilmter, hervorragend gespielter Film, mit für Coen-Verhältnisse wenig Humor und einigen Momenten brutaler Gewalt.
,True Grit‘ mag der erste offizielle Western im nun schon 15 Filme umfassenden Werk der Coen Brüder sein, im Geiste waren sie diesem uramerikanischen Genre schon oft nahe. Nicht zuletzt der Oscar-gekrönte ,No Country for old Man‘ variierte in kaum verklausulierter Manier Typen und Motive des Westerns. In ihrem neuesten Film nehmen sich die Brüder nun des in Amerika sehr beliebten Romans von Charles Portis an, der schon 1969, ein Jahr nach Veröffentlichung, ein erstes Mal verfilmt wurde. Damals spielte John Wayne die Hauptrolle und erhielt im Abend seiner langen Karriere doch noch den Oscar. In der Neuverfilmung schlüpft nun Jeff Bridges in die Rolle des alternden Marshals Rooster Cogburn, einer typischen, wortkargen Western-Figur. Die eigentliche Hauptfigur aber, vor allem das Zentrum der moralisch-ethischen Allegorie, die ,True Grit‘ ist, ist die bislang vollkommen unbekannte junge Schauspielerin Hailee Steinfeld. Sie spielt Mattie Ross, ein 14jähriges Mädchen, äußerlich jung und unschuldig, innerlich mit Intelligenz und Wortwitz weit über ihr Alter ausgestattet. Nach dem Mord ihres Vaters heuert sie Marshall Cogburn an, um den mutmaßlichen Mörder Tom Chaney zu fassen. Ihnen schließt sich der Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon) an und gemeinsam begibt sich das Trio in die wilde Natur, um der Gerechtigkeit genüge zu tun. Doch tun sie das wirklich?
Einer der ersten Sätze des Films, gesprochen von der alten Mattie Ross, die die nun folgende Handlung offensichtlich überlebt hat, gibt den Ton vor: ,Man muss für alles auf dieser Welt zahlen, auf die eine oder andere Weise.‘ Womit sie Tom Chaney meint, der, vom Gesetz nicht verfolgt, seiner Wege geht. Doch man ahnt früh, dass dieser Satz sich nicht zuletzt auf Mattie selbst bezieht. Welches Opfer sie für das Stillen ihrer Rache gebracht hat, erfährt man erst in einem kargen, finsteren Epilog, der jeglichen Moment der Hoffnung auf wirkliche Gerechtigkeit, auf echte Moral in dieser Welt endgültig zunichte macht. Denn trotz mancher alberner Momente, besonders zwischen den konträren Männern des Gesetztes Cogburn und LaBoeuf, ist diese Frage das emotionale Zentrum des Films. Eigentlich verachtet Mattie Cogburn für dessen Art, Verdächtige lieber zu erschießen als zu versuchen, sie vor Gericht zu bringen. Mattie dagegen spricht fortwährend von Richtern und dem Gesetz, also den scheinbaren Errungenschaften der Zivilisation, die im Kontrast zum Gesetz des Stärkeren stehen, das von Männern wie Cogburn symbolisiert wird. Doch dieser Topos des klassischen Westerns ist längst ad absurdum geführt und so ist ,True Grit‘ weniger ein (Spät)-Western, als ein Historienfilm, der wie alle Historienfilme die Moral der Zeit spiegelt, in der er entstanden ist.
Es fällt leicht, ,True Grit‘ als Allegorie über das moderne Amerika zu verstehen, in dem durch Kriege Rache für Terroranschläge genommen wird, die aber alles andere als Gerechtigkeit herbeiführen. Und so wird im Laufe der Geschichte zunehmend deutlich, wie wenig sich die scheinbar so moralische Mattie von dem angeblich so unmoralischen Cogburn unterscheidet. Wie so oft also begeben sich die Coens auch in ,True Grit‘ in moralisches Niemandsland. In Amerika gelang ihnen damit der kommerziell bei weitem erfolgreichste Film ihrer Karriere, wobei man gespannt sein darf, ob sich dieser Erfolg auch im wenig Western-begeisterten Deutschland einstellen wird.“ (Programmkino.de)

Läuft am Mi., 8.2., um 21.00 Uhr.
Ermässigter Eintritt für Schüler und Studenten: 6,00 Euro.
Internetseite: www.truegritfilm.de












The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz

„The Wild Bunch“ von Sam Peckinpah; USA 1968; 143 Min.; FSK: ab 18; Cinemascope; Kamera: Lucien Ballard; Musik: Jerry Fielding; mit Ernest Borgnine, William Holden, Robert Ryan, Edmond O’Brien, Warren Oates, Ben Johnson u.a.



„Ein verwilderter Haufen ehemaliger Soldaten überfällt Stationen der Eisenbahngesellschaft in Texas und verschachert die Beute an das Militärregime in Mexiko.
Ein meisterhafter Western über die Verhältnisse am Rande der mexikanischen Revolution (1913). Extrem kraß in den Gewaltszenen, doch mit überzeugender ästhetischer Kraft werden Korruption, Gewalt, Mißbrauch von Gesetz und Macht geschildert.
1996 kam erstmals die ungekürzte Version dieses bedeutenden Westerns in die deutschen Kinos. Deutlich wird, daß seinerzeit keine explizit drastischen Szenen der Schere zum Opfer fielen, sich die Kürzungen vielmehr auf jene Rückblenden beschränken, die die Hintergründe der beiden Hauptfiguren beleuchten, sowie auf einige Handlungsdetails ohne wesentlichen Rückschluß der Gesamtkonstruktion.“ („RoRoRo Lexikon des internationalen Films)

Läuft nur am Di., 14.2., um 21.15 Uhr.
Erhöhter Eintritt wg. Überlänge: 7,50 Euro, erm. für Schüler und Studenten: 6,50 Euro.