20 Jahre Seniorenkino in der Kino Passage das Seniorenkino
seit 1991 an jedem dritten* Dienstag im Monat
An Vorstellungstagen ist das Kinocafé ab 13.30 Uhr geöffnet. Wir freuen uns über jeden Besucher/in und nehmen auch gerne (soweit machbar) Filmwünsche in unser Programm auf. Der Eintritt beträgt 6,00 Euro für den Film (für Senioren über 60, Schüler sowie für größere Gruppen mit mindestens 10 Teilnehmern ermässigt: 5,00 Euro), Kaffee und Kuchen gibt es beim Seniorenkino zum Selbstkostenpreis von jeweils einem Euro.
Nähere Informationen erhalten Sie bei Frau Vogel von der Arbeiterwohlfahrt unter der Telefon-Nr. 0 93 72 / 9 48 09 12 oder im Kinobüro unter
0 93 72 / 7 37 30. Wenn Sie mit einer größeren Gruppe am Seniorenkino teilnehmen möchten, wären wir Ihnen für eine kurze telefonische Voranmeldung vier bis fünf Tage vor der Veranstaltung dankbar, da uns dies die Disposition mit dem Kuchen immens erleichtert …
*und manchmal auch schon am zweiten oder erst am vierten Dienstag im Monat…
The Artist
von Michel Hazanavicius; F 2011; 100 Min.; FSK: noch offen; Kamera: Guillaume Schiffman; Musik: Ludovic Bource;
mit Jean Dujardin, Bérénice Bejo, Penelope Ann Miller, John Goodman, James Cromwell u.a.
„Nichts könnte weiter vom modernen Kino mit seinem lauten 3D-Spektakel entfernt sein als der Stummfilm. Insofern erfordert es Mut, heute eine Geschichte nach den Vorgaben jener Kinoanfangsjahre zu erzählen. Dabei verschmelzen in ,The Artist‘ Form und Inhalt zu einem außergewöhnlichen Experiment. Michel Hazanavicius’ Portrait eines vom Karriereaus bedrohten Stummfilmstars bietet Witz, Ironie und einen herausragenden Hauptdarsteller.
Als die Bilder laufen lernten und das Kino noch eine ganz besondere Faszination besaß, eroberten Stars wie Emil Jannings, Pola Negri oder Errol Flynn die Herzen des Publikums. Der Stummfilm war das Medium jener Zeit, in der sich das heutige Studiosystem Hollywoods zu formieren begann. Allein über ihre exaltierte Gestik und Mimik drückten die Schauspieler die Gefühle und Stimmungen ihrer Figuren aus. Unterstützt wurden sie dabei von einer meist orchestralen Filmmusik und expressionistischen Bildern. Erzählt wurde ausschließlich in Schwarz und Weiss. George Valentin (Jean Dujardin) ist in diesen Jahren ein gefeierter Star. Ende der 1920er Jahre gehören Filme mit ihm zu den absoluten Straßenfegern. Blockbuster würde man heute dazu sagen.
Mit der Einführung des Tonfilms, den die Zuschauer begeistert aufnehmen, steht Georges Karriere dann jedoch vor dem Aus. Er weigert sich vehement, die neue Zeit anzuerkennen und sich den veränderten Arbeitsbedingungen anzupassen. Während das von ihm entdeckte Starlet Peppy Miller (Bérénice Bejo) in Hollywood Karriere macht und zum Darling der Massen avanciert, entwickelt sich sein neuer Film zu einem veritablen Flop. George ist am Boden zerstört. Seine Ehe steht vor dem Aus, als Schauspieler ist er nicht mehr gefragt und allein der Alkohol vermag ihn noch zu trösten.
So deprimierend und düster diese letzten Sätze auch klingen mögen, ,The Artist‘ ist so ziemlich das Gegenteil eines deprimierenden und düsteren Films. Michel Hazanavicius’ mutiges Experiment, im Jahr 2011 mit den Mittel des Stummfilms von der Ära des Stummfils zu erzählen, versprüht vielmehr unglaublich viel Witz, Charme und gute Laune. Dabei waren Zweifel durchaus angebracht, denn heutzutage eine Geschichte ausschließlich über die Bilder und Musik zu transportieren, widerspricht letztlich all unseren Sehgewohnheiten. Von solchen Bedenken ließ sich Hazanavicius augenscheinlich nicht beirren. Er glaubte an die Stärke seines filmischen Konzepts, an dessen Ideenreichtum und an seine allesamt großartigen Darsteller.
Insbesondere Jean Dujardin, der für seine Rolle des gescheiterten Leinwandhelden bei den Filmfestspielen von Cannes mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet wurde, scheint aus ,The Artist‘ beinahe im Alleingang den verdienten Publikumserfolg zu machen. Er ist Herz und Seele des Films, in dem sich Reflexionen über das Kino ebenso wie pure Albernheiten, feine Ironie und die Seele eines leidenschaftlichen Cineasten wiederfinden. In Frankreich eröffnete Hazanavicius’ wunderbar aus der Zeit gefallene Geschichte verdientermaßen auf Platz 1 der Kinocharts. Dujardin lässt seinen zunehmend von Selbstzweifel geplagten Star trotz typischer Stummfilm-Gesten nie wie eine Karikatur wirken. Dieser Typ, eine Mischung aus Errol Flynn, Fred Astaire und George Clooney, ist auf der Suche, wobei ihn Versagensängste und Wehmut stets begleiten.
,The Artist‘ lebt überdies von seiner detailreichen Mimikry der Stummfilmära. Musik, Bildsprache und Lichtsetzung erschaffen im Zusammenspiel mit den Darstellern die perfekte Illusion. Dabei spielt Hazanavicius immer wieder auf sehr fantasievolle Art mit den Gesetzmäßigkeiten des Stummfilms (Stichwort: Wasserglas) und dem anstehenden Wechsel in ein neues Kinozeitalter. In nicht wenigen Augenblicken ist die Geschichte unprätentiöses, intelligentes Meta-Kino. Der dramatische Übergang von den ,Goldenen Zwanziger‘ in die Weltwirtschaftskrise von 1929 liefert schließlich die Kulisse für ein unkonventionelles, vollauf geglücktes Kinoexperiment.“ (Programmkino.de)
„Intouchables“ von Olivier Nakache, Eric Toledano; F 2011; 110 Min.; Kamera: Mathieu Vedepied;
mit François Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot, Clotilde Mollet u.a.
Philippe (François Cluzet) führt das perfekte Leben. Er ist reich, adlig, gebildet und hat eine Heerschar von Hausangestellten aber ohne Hilfe geht nichts! Philippe ist vom Hals an abwärts gelähmt. Eines Tages taucht Driss (Omar Sy), ein junger Mann, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, in Philippes geordnetem Leben auf. Driss will eigentlich nur einen Bewerbungsstempel für seine Arbeitslosenunterstützung und auf den ersten Blick eignet sich das charmante Großmaul aus der Vorstadt auch überhaupt nicht für den Job als Pfleger. Doch seine unbekümmerte, freche Art macht Philippe neugierig. Spontan engagiert er Driss und gibt ihm zwei Wochen Zeit, sich zu bewähren. Aber passen Mozart und ,Earth, Wind & Fire‘, Poesie und derbe Sprüche, feiner Zwirn und Kapuzenshirts wirklich zusammen? Und warum benutzt Philippe eigentlich nie den großartigen Maserati, der abgedeckt auf dem Innenhof steht? Es ist der Beginn einer verrückten und wunderbaren Freundschaft, die Philippe und Driss für immer verändern wird …
Die Regisseure Olivier Nakache und Eric Toledano haben mit ,Ziemlich beste Freunde‘ ein furios rasantes Stück Kinounterhaltung geschaffen. Mit ihrem unglaublichen Gespür für Timing erzählen sie die bewegende Geschichte einer Freundschaft, wie sie unwahrscheinlicher nicht sein könnte und doch wahr ist. Großen Anteil am Erfolg dieser wunderbaren Tragikomödie haben die charismatischen Hauptdarsteller: Der stets großartige François Cluzet (,Kleine wahre Lügen‘) als querschnittsgelähmter Aristokrat und der hinreißende Newcomer Omar Sy als dreister Sozialhilfeempfänger. Wie sie sich auf Augenhöhe begegnen und der nüchternen Realität Hoffnung und Lebensfreude abtrotzen, macht ihre Beziehung zu etwas ganz Besonderem. Und deshalb reihen sich Philippe und Driss zu Recht in die Galerie ungewöhnlicher Kinopaare ein, die man sofort ins Herz schließt und nicht mehr vergisst.
Mit bislang über acht Millionen Besuchern in nur vier Wochen der erfolgreichste Film in Frankreich in diesem Jahr, noch vor „Harry Potter“.
„Hut ab um nicht zu sagen: Chapeau! Vermutlich ist Frankreich Weltmeister darin, Komödien über gesellschaftliche Gegensätze zu erfinden, die ohne plumpe Klischees und bessserwisserisches Pathos auskommen. Diesmal geht es um einen Schlingel, frisch aus dem Gefängnis, der durch die Pflege eines querschnittsgelähmten Rollifahrers geläutert wird. Doch vielleicht ist es eher umgekehrt? Denn in der Gesellschaft des unbefangenen Driss findet der kranke, reiche Philippe zu neuem Lebensmut. Und das Publikum findet hier eine humorvolle Geschichte rund um zwei Männer, die sich erst zusammenraufen müssen, um voneinander zu lernen.
Zwei fantastische Schauspieler prägen und tragen diesen Film: François Cluzet und Omar Sy. Dank einer sensiblen und unauffälligen Regiearbeit bringen sie zwei hinreißend sympathische Figuren auf die Leinwand.
(…) Eines sei verraten: Gemeinsam werden die beiden ungleichen Freunde unheimlich viel Spaß haben. Sie werden sich im Maserati schöne Verfolgungsjagden mit der Polizei liefern und Driss wird Philippes Rollstuhl tunen, sie werden gemeinsam Orgien feiern, die dröge Pariser Schickimicki-Gesellschaft aufmischen, den internationalen Kunstmarkt beleben und am Ende wird Driss dem Freund dabei behilflich sein, sich den Traum von einer neuen Liebe zu erfüllen.
Und wer nun denkt, das wäre wieder einmal eines dieser Sozialmärchen, hübsch ausgedacht, aber letztlich doch unglaubwürdig, der muss sich eines Besseren belehren lassen, denn Philippe und Driss gibt es tatsächlich und sie sind bis heute eng befreundet. Und das ist dann das i-Tüpfelchen auf einer sehr amüsanten und bewegenden Geschichte über Freundschaft und die Lust am Leben.“ (Programmkino.de)
Läuft am Di., 6.3., um 14.30 Uhr.
Internetseite: www.senator.de