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Eine ganz heiße Nummer

von Markus Goller; D 2011; 96 Min.; FSK: ab 12; CinemaScope; Kamera: Ueli Steiger; Musik: Peter Horn, Andrej Melita, Martin Probst;
mit Gisela Schneeberger, Bettina Mittendorfer, Rosalie Thomass, Monika Gruber, Sigi Zimmerschied, Cleo Kretschmer u.v.a.



Eine kleine Dorfgemeinschaft mitten im Bayerischen Wald. Der Geist der katholischen Kirche ist zwar allgegenwärtig, dafür mangelt es seit Schließung der Glashütte an wirtschaftlicher Perspektive. Der kleine Lebensmittelladen von Waltraud (Gisela Schneeberger), Maria (Bettina Mittendorfer), und Lena (Rosalie Thomass) steht vor der Pleite. Die Nachbarn fahren lieber in die nächste Stadt zu Aldi, in vier Wochen läuft der Kredit ab. Da erhält Maria einen schmutzigen Anruf. Der Kerl ist offenbar falsch verbunden, doch der peinliche Zwischenfall bringt Maria auf eine geniale Idee: ein erotischer Telefonservice – im erzkatholischen Marienzell eine echte Marktlücke. Mit selbstgedruckten Handzetteln und dem Slogan „Das Allerbeste aus unserer Heimat“ werben die drei für ihre „ganz heiße Nummer“. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten – Was sagt man denn da so...? – machen Maria, Waltraud und Lena als „Maja“, „Sarah“ und „Lolita“ Furore. Der hochnäsigen Bürgermeistergattin (Monika Gruber) kommt das neue Selbstbewusstsein ihrer Nachbarinnen jedoch höchst verdächtig vor. Sie beschattet das Trio – und beschwört einen Skandal herauf.


„Mit ,Friendship‘ gelang Markus Goller der große Comedy-Coup. Nun folgt sein nächster Streich. Statt um zwei verdutzte Ossis in Amerika geht es diesmal um drei resolute Damen im tiefsten Bayern. Dort bedroht die Schließung der Glashütte den kleinen Tante Emma-Laden. Weil Gebete des Dorf-Pfarrers gegen Arbeitslosigkeit wenig helfen, hat das weibliche Trio eine zündende Idee: Telefonsex soll Geld in die leere Kasse bringen. Erotik als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme – ,Ganz oder gar nicht‘ lässt grüßen. Wie einst bei den britischen Amateur-Strippern gibt’s bei den bayrischen Telefon-Stöhnerinnen reichlich Situationskomik, viel Wortwitz und liebenswert schräge Typen. Umwerfend komisch gespielt, flott inszeniert und prima getimt: Eine ganz heiße Comedy-Nummer. (…)
Erfolgsautorin Andrea Sixt hat ein gutes Händchen für ihre Figuren, auch die Umsetzung des eigenen Romans für die Leinwand gelingt mit unverkrampfter Leichtigkeit. Gewohnt lässig, mit gekonntem Timing und viel Gespür für Situationskomik inszeniert ,Friendship‘-Regisseur Markus Goller das ,Lust‘-Spiel. Beim pflegebedürftigen, pornosüchtigen Opa gerät die Sache zwar ein wenig zur ,Klimbim‘-Klamotte, dafür überzeugen die Akteure umso mehr. Comedy-Urgestein Gisela Schneeberger, die langjährige Partnerin und Entdeckerin (!) von Gerhard Polt, könnte mit ihrem schnippischen Charme ohnehin jedes Telefonbuch unterhaltsam vorlesen. Rosalie Thomass, die einst schon die junge Hannelore Kohl gespielt hat und in drei Rosenmüller-Filmen auftrat, brilliert als strenggläubige, in Dauerversuchung verführte Unschuld vom Land. Das Wiedersehen mit Sigi Zimmerschied und Cleo Kretschmer macht Vergnügen, derweil Newcomer Matthias Ransberger als rustikaler Frauenschwarm Willy überzeugt.
Dass jenseits des Weißwurst-Äquators vielleicht nicht unbedingt jedes Idiom der Eingeborenen völlig verstanden wird, ist halb so wild: schon Karl Valentin konnte schließlich alles, außer Hochdeutsch.“ (Programmkino.de)

Läuft am So., 19.2., um 12.30 Uhr in der Matinee und von Mo., 20.2., bis Mi., 22.2., jeweils um 17.00 Uhr.
Internetseite: www.eineganzheissenummer.de










Glück

von Doris Dörrie; D 2010; ca. 100 Min.; FSK: stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest; Kamera: Hanno Lentz; Musik: Hauschka; mit Alba Rohrwacher, Vinzenz Kiefer, Matthias Brandt, Andrea Sawatzki, Christina Große, Maren Kroymann, Oliver Nägele u.a.



„…Frau Dörrie hat eine wunderbare Szene für den Film geschrieben, die den Kern meiner Geschichte ganz trifft: Die Liebenden – er ein Obdachloser, sie eine Prostituierte – haben nur sich selbst. Sie sitzt auf einer Schaukel, er gibt ihr Schwung. Er sagt: ,Gleich kommt der Wuppdich.‘ Sie versteht das Wort nicht. Es sei der Moment, in dem die Schaukel oben in der Luft stehe… in dem alles stehen bleibe.
Es ist ein Gefühl unserer Kindheit, später spüren wir es in uns nur noch selten: Für einen kurzen, schwerelosen Moment hält die Welt inne, der Lärm verstummt, die täglichen Verletzungen enden, das Dunkle und das Schwere. Und alles, was wir sind, alles, was wir sein müssen ist plötzlich ohne Bedeutung – wir sind frei.
Wir streben unser Leben lang nach Glück. Immer zu spät begreifen wir, dass wir es nicht halten können – Glück ist kein Zustand, es ist nur eine Vorstellung. Krumm und schief in diese Welt gestellt, sind wir Verlorene, wie dieses Liebespaar. Aber wir haben die Kunst, um an der Wirklichkeit nicht zugrunde zu gehen, sagt Nietzsche. Ihr Film, verehrte Frau Dörrie, ist solche Kunst…“
(aus der anlässlich der Verleihung des Bayrischen Filmpreises an Doris Dörrie von Autor Ferdinand von Schirach gehaltenen Laudation)

Noah Leyden (Matthias Brandt) ist Strafverteidiger und bezeichnet sich als Spezialist für die Suche nach Glück und den Moment, wo das Glück uns verlässt. Er erzählt die unfassbare Geschichte von Irina (Alba Rohrwacher) und Kalle (Vinzenz Kiefer), die diesen Moment erleben. Zwei Gestrandete, die zueinander finden und das eben erst entdeckte gemeinsame Glück mit allen Mitteln zu verteidigen suchen.
Irina verlässt das Glück, als ihr Land vom Krieg überrollt wird, Soldaten in ihr Zuhause eindringen, ihre Familie töten und sie vergewaltigen. Traumatisiert flüchtet sie nach Berlin und arbeitet dort als Prostituierte. Auf der Straße lernt sie den Obdachlosen Punk Kalle kennen. Die Beiden verlieben sich, zaghaft, und beginnen, sich ein kleines Leben aufzubauen. Bis eines Tages ein Freier tot in der gemeinsamen Wohnung zusammenbricht, Irina flüchtet in Panik, Kalle kommt nach Hause, entdeckt die Leiche – und beschließt, sein Glück mit Irina zu bewahren.
So oder so ähnlich hat sich dieser Fall für den Anwalt Ferdinand von Schirach zugezogen. „Glück“ ist eine von zahlreichen Erzählungen in seinem schriftstellerischem Debüt „Verbrechen“. Jetzt kommt die erste Kurzgeschichte als Kinofilm auf die große Leinwand. (Verleihinfo)

Läuft zum Bundesstart von Do., 23.2., bis Mo., 27.2., jeweils um 19.15 Uhr sowie am Di., 28.2., und Mi., 29.2., jeweils um 21.15 Uhr.
Am Di. & Mi. ermässigter Eintritt für Schüler und Studenten: 6,– Euro.
Internetseite: www.glueck-film.de















Offroad

von Elmar Fischer; D 2011; 98 Min.; FSK: ab 12; Kamera: Philipp Kirsamer; Musik: Ali N. Askin;
mit Nora Tschirner, Elyas M‘Barek, Max von Pufendorf, Tonio Arango, Thomas Fränzel, Dominic Raacke u.a.



Meike Pelzer (Nora Tschirner) weiß genau, was sie will: Gerade, zielstrebig und überschaubar plant sie ihr Leben. Vor Kurzem hat sie das Studium der Betriebswirtschaft mit Erfolg abgeschlosssen, nun steht die Übernahme des väterlichen Betriebes an und zudem eine großen, von ihrer Familie gern gesehene Heirat mit ihrem Verlobten Phillip (Max von Pufendorf). Aber alles ist eben nicht planbar: Meike erwischt Phillipp inflagranti. Dass dessen Sex-Partnerin bei dem keinen Seitensprung auch noch ihre beste Freunde Denise (Nora Binder) ist, trägt nicht gerade dazu bei, dass sich Meike besser fühlt. Ihr Lebenstraum ist zerstört.
Aber dann ersteigert Meike einen alten, nicht besonders gutaussehenden Jeep, den der Zoll an der deutsch-holländischen Grenze beschlagnahmt hat. Was sie noch nicht weiß: Die 50 Kilo Kokain, die in der Seitenverkleidung stecken, werden ihr Leben von Grund auf ändern. Mit Hilfe ihres betriebswirtschaftlichen Studiums will sie sich im Drogengeschäft etablieren, hat aber nicht an die vormaligen Besitzer der heißen Ware gedacht. Auf einmal ist Meike auf der Flucht und findet in Salim (Elyas M'Barek) einen Mann, der ihr aus mancher Schwierigkeit hilft.


„So weit, so vorhersehbar. Dass Offroad aber trotz der nicht sehr originellen Story durchaus unterhaltsam ist, liegt vor allem an den charmanten Darstellern [...] Dank eines flotten Erzähltempos ist [der Film] über weite Strecken eine amüsante und kurzweilige Komödie, die aber unter ihrer Schablonenhaftigkeit und Vorhersehbarkeit leidet.“ (Filmstarts)


„Ein turbulenter Mix aus Komödie, Thriller und Roadmovie. (…) Virtuos setzt [Fischer] auf Tempo und schnelle Schnitte, Autostunts, Verfolgungsjagden und Schießereien inklusive. US-Hits wie Ocean's Eleven oder Thomas Crown ist nicht zu fassen werden auf deutsche Verhältnisse umdekliniert, Split-Screen-Technik kommt klug zum Einsatz und Ali M. Askins schwungvoller Ethno-Soundtrack befeuert die Handlung“. (Kino.de)


Prädikat „besonders wertvoll“: „Meike ist 25 Jahre jung und ihr weiterer Lebenslauf ist schon beschlossene Sache: Verlobt ist sie bereits, Schützenkönigin soll sie bald werden und, wenn alles gut geht, auch die Firma ihres Vaters übernehmen. Doch dann macht Meike eines Tages in ihrem neuen Wagen einen besonderen Fund. Und sie beschließt, dass es an der Zeit ist, eigene Wege zu gehen. Was als Komödie mit subtilem Humor beginnt, entwickelt sich schnell zum temporeichen Roadmovie. Das eng gestrickte Drehbuch setzt seine Darsteller mit trockenen pointierten Dialogen gekonnt in Szene, vor allem Nora Tschirner mit ihrer bekannt frechen Art ist die Geschichte auf den Leib geschneidert. Und das skurrile Gaunertrio nebst seinen amateurhaften Ideen hat absolutes Kultpotential. Dazu kommen eine glaubwürdige Ausstattung, exzellente Kameraführung und die passende Musik. Eine rasante Mixtur aus Krimi, Komödie und Romanze mit überraschendem Showdown.“ (Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW))

Läuft am Sa., 3.3., und So., 4.3., um 17.00 Uhr.









Rubbeldiekatz

von Detlev Buck; D 2011; 108 Min.; FSK: ab 12; Kamera: Marc Achenbach; Musik:div.; mit Matthias Schweighöfer, Alexandra Maria Lara,
Detlev Buck, Maximilian Brückner, Dennis Moschitto, Max Giermann, Sunnyi Melles, Milan Peschel




„Was Syndey Pollack recht, ist Detlev Buck nur billig: Er steckt einen Star in Frauenkleider und übernimmt höchstpersönlich die Rolle von dessen Manager. Den Vergleich mit ,Tootsie‘-Legende Dustin Hoffman braucht Matthias Schweighöfer nicht zu scheuen, ganz im Gegenteil: Mit Pumps und Lippenstift stellt der deutsche Publikumsliebling den Hollywood-Kollegen lässig in den Schatten. Ein Overkill durch den medialen Dauer-Hype, gar ein Platzen der Schweighöfer-Blase ist jedenfalls nicht zu befürchten. Dem werbewirksamen ,Schlüpper-Lauf‘ durchs Brandenburger Tor für ,What a man‘ kann demnächst wohl getrost einen Stöckel-Sprint im BH folgen.
,Ich bin kein schlechter Schauspieler‘ macht sich Alex regelmäßig selber Mut. Er wäre mit seiner bescheidenen Rolle an der kleinen Boulevard-Bühne auch durchaus zufrieden. Doch sein Bruder und Manager Jürgen will mehr. Da kommt das Casting einer großen Hollywood-Produktion in Babelsberg gerade recht. Für den pompösen Nazi-Streifen wird zwar eine Frau gesucht – aber wozu ist man schließlich Profi: Was nicht passt, wird passend gemacht. Mit viel Schminke, rigorosem Rasierer-Einsatz sowie gut gepolstertem Dekolleté gelingt die optische Geschlechtsumwandlung perfekt. Das Ergebnis ist so überzeugend, dass nicht nur der Hitler-Mime am Set sich heftig in seine Kollegin verliebt, auch der cholerische Regisseur ist zunehmend begeistert von seiner neuen Muse. Alex ist derweil ebenfalls von Amors Pfeil getroffen und unsterblich in die hübsche Hauptdarstellerin Sarah verschossen. (…) Ein Outing würde die ersehnte Traumrolle gefährden, dem verzweifelten Held bleibt so nur die ,beste Freundinnen‘-Notlösung.
Für das Drehbuch hat sich Detlev Buck diesmal Unterstützung geholt bei ,Keinohrhasen‘-Autorin Anika Decker. Fast schon als Markenzeichen setzt sie einmal mehr auf einen tierisch schrägen Titel (der übrigens soviel wie: ,Jetzt mach schon!‘ bedeutet). Andere Spaß-Spezialitäten aus der Til Schweiger Beziehungskomödien-Küche sind gleichfalls nicht zu übersehen. Ob in Dialogen à la ,Du bist dünn und du bist reich – welche Frau will schon mit dir befreundet sein‘ oder mit Situationskomik (?). Dogmatische ,Buckisten? mögen solche gefälligen Kuschel-Gags gewöhnungsbedürftig finden, doch für die Buck-Fraktion bleibt ausreichend lakonisches Pointen-Potenzial, von der trefflichen Tarantino-Persiflage des Hollywood-Regisseurs in Babelsberg über die grotesk eitle ,Cinema for Fun‘-Gala bis zur höchst gelungenen Hitler-im-Film-Parodie von ,Switch‘-Star Max Giermann. (?) Sahnehäubchen im spielfreudigen Ensemble ist der überaus wandlungsfähige Milan Peschel: Gerade noch tragisch als Krebskranker bei Andreas Dresen zu sehen, und nun als schwuler Schneider – grandios komisch.“ (Programmkino.de)

Läuft am Sa., 4.2., und So., 5.2., jeweils um 17.00 Uhr sowie am Mo., 6.2., um 19.45 Uhr.
Internetseite: www.rubbeldiekatz-film.de