„Extremely loud and incredibly close“ von Stephen Daldry; USA 2011; 129 Min.; FSK: noch offen; Kamera: Chris Menges; Musik: Alexandre Desplat; mit Tom Hanks, Sandra Bullock, Thomas Horn, John Goodman, Max von Sydow, Viola Davis, Jeffrey Wright u.a.
Oskar (Thomas Horn) ist davon überzeugt, dass sein Vater (Tom Hanks), der am 11. September bei den Angriffen auf das World Trade Center umgekommen ist, ihm eine letzte Botschaft hinterlassen hat, die irgendwo in der Stadt versteckt ist. Zu seiner trauernden Mutter (Sandra Bullock) bekommt Oskar keinen Kontakt mehr, und sein unbändig wacher Verstand weigert sich strikt, an etwas zu glauben, was er nicht mit eigenen Augen sehen kann. Deshalb macht er sich in New York auf die Suche nach jenem Schloss, in das der geheimnisvolle Schlüssel passt, den Oskar im Schrank seines Vaters gefunden hat. Bei seinen Streifzügen durch die fünf Stadtbezirke beginnt er seine sichtbare Umwelt mit anderen Augen wahrzunehmen was ihm hilft, über seinen persönlichen Verlust hinwegzukommen. (Verleihinfo)
„Manchmal ist es allein der Titel eines Buches, der die Verfilmung wert zu sein scheint: ,Extrem laut und unglaublich nah‘ ist solch ein Fall. (…)
Wenn man einen Blick auf die Besetzungsliste wirft, so muss man unweigerlich denken: ,Extrem laut und unglaublich nah‘ ist ein extrem unglaublicher Oscar-Kandidat! Nicht nur vor der Kamera stehen mit Tom Hanks und Sandra Bullock gleich zwei Oscar-Preisträger und mehrere Golden-Globe-Gewinner (u.a. John Goodman, James Gandolfini und Jeffrey Wright), auch die Crew hinter ,Extrem laut und unglaublich nah‘ kann sich sehen lassen. So war Regisseur Stephen Daldry schon dreimal für den Oscar nominiert (u.a. für ,Billy Elliot‘ und ,Der Vorleser‘). Drehbuchautor Eric Roth durfte für ,Forrest Gump‘ schon einmal den Oscar in Händen halten, Kameramann Chris Menges hat derer gleich zwei (für ,The Mission‘ und ,The Killing Fields‘). So könnte man noch fortfahren. ,Extrem laut und unglaublich nah‘ basiert auf dem gleichnamigen Erfolgsroman von Jonathan Safran Foer, der 2005 erschien.“ (Moviepilot)
Läuft von Do., 1.3., bis So., 4.3., jeweils um 21.30 Uhr und am Mo., 5.3., und Di., 6.3., jeweils um 19.00 Uhr.
Erhöhter Eintritt wg. Überlänge: 7,50 Euro, von Do. bis So. ermässigter Eintritt für Schüler und Studenten: 6,50 Euro.
J. Edgar
von Clint Eastwood; USA 2011; 136 Min.; FSK: ab 12; Kamera: Tom Stern; Musik: Clint Eastwood;
mit Leonardo Di Caprio, Armie Hammer, Naomi Watts, Judi Dench u.a.
„Viele Amerikaner haben mehr als ihr halbes Leben mit J. Edgar Hoover verbracht. Fast 50 Jahre schützte er als fast allmächtiger FBI-Chef die USA vor tatsächlichen oder vermeintlichen Bedrohungen. Ein knorriger Mann ganz nach dem Geschmack von Clint Eastwood, der von Hoover in ,J. Edgar‘ ein eindringliches Porträt zeichnet. Leonardo Di Caprio schwingt sich dabei zu einer erstaunlichen Leistung auf. Der Schauspiel-Star mit dem ewig jugendlichen Charme überrascht in seiner herausfordernden Rolle als verbohrter alter Mann, der auf sein Leben zurückblickt und an seiner Legende strickt.
Was J. Edgar Hoover in seiner jahrzehntelangen Karriere zuwege brachte, ist hinlänglich bekannt. Dustin Lance Black, der das Drehbuch schrieb, und Regisseur Clint Eastwood konzentrieren sich auf die unbekannten Seiten des ebenso erfolgreichen wie gefürchteten Direktors der US-amerikanischen Bundespolizei, der die einst unbedeutende Behörde zu einem mächtigen Instrument der Verbrechensbekämpfung ausbaute. Das unterscheidet ,J. Edgar‘ von anderen biografischen Filmen, die im Wesentlichen die wichtigen Lebensstationen der Person zu einer Geschichte verknüpfen. Solche Wegmarken schreitet Eastwood auch ab. Die Rahmenhandlung seines Films bilden die Erinnerungen, die der alternde Hoover in seinem Büro diktiert. So werden die Fixpunkte seiner Arbeit ans Licht geholt und miteinander verwoben von der Jagd auf Bomben legende Kommunisten in den 20er Jahren bis zum Kampf gegen die Bürgerrechtsbewegung und Martin Luther King in den 60er Jahren. Nicht zu vergessen die bahnbrechenden Neuerungen, die Hoover in der Ermittlungsarbeit und Beweissicherung einführte.
Doch die Frage im Hintergrund lautet stets: Wer war dieser Mann? Eastwood nennt sein Porträt ,eine Charakterstudie‘ und stellt dementsprechend die Beziehungen Hoovers zu seinem persönlichen Umfeld, seinen Mitarbeitern und Vorgesetzten in den Vordergrund. Das ebenso Reizvolle wie Schwierige dabei ist, dass man darüber wenig weiß und auch die umfangreichen Recherchen des Drehbuchautors kaum Neues zutage fördern, weshalb sich der Film, wenn auch dezent, immer mal im Spekulativen bewegt. Drei Menschen standen Hoover zeitlebens nahe: seine vergötterte und dominante Mutter, sein engster Mitarbeiter Clyde Tolson und seine Sekretärin Helen Gandy. Hoover war vermutlich homosexuell und Tolson in einer nicht recht ausgelebten Weise sein Partner. Es ist das Herzstück des Films, wie die beiden sich mit allerhöchster Zurückhaltung ein Leben lang umschwirren, und es sind die stärksten Szenen Leonardo di Caprios. Für kurze Momente öffnet sich der bis zum Kragen verschlossene Mann, den er verkörpert, wenn auch nur einen Spalt breit. Armie Hammer als Tolson und mehr noch Naomi Watts als Sekretärin und Judi Dench, die Hoovers Mutter spielt, kommt dabei die etwas undankbare Rolle eines Spiegels der Hauptfigur zu. Entscheidend ist nicht, was sie tun, sondern wie Hoover reagiert. Er allein steht im Licht, alle anderen bewegen sich im Halbschatten.
Gerüchte über Hoovers Homosexualität kursierten schon lange. Doch seine nicht wenigen Gegner waren nicht imstande, diesen Umstand für sich zu nutzen. Das lag vor allem daran, dass der FBI-Chef früh begann, Dossiers über die Verfehlungen hochrangiger Persönlichkeiten anzulegen und sie damit unter Druck zu setzen sogar die Kennedys. So machte er sich unangreifbar. Solche unappetlichen Geschichten spart Eastwood nicht aus. Auch Hoovers Eitelkeit, seinen Machtwillen und seine lebenslange Paranoia vor der kommunistischen Bedrohung führt er immer wieder vor. Das hat eine gewisse Statik im Handlungsverlauf zur Folge. Man schaut einem Menschen zu, der sich nicht verändert, sondern um seine Neurosen kreist und stets darauf bedacht ist, die Fassade zu wahren. Noch im hohen Alter, man glaubt es kaum, wirft er seinem Freund Tolson vor, nicht loyal zu sein. Eastwood bewertet das nicht. Er zeigt einen Mann, der unbeirrt seinen Weg geht, und er weiß, dass er nicht alle Geheimnisse J. Edgar Hoovers lüften kann.“ (Programmkino.de)
Läuft am Fr., 24.2., und Sa., 25.2., jeweils um 21.15 Uhr.
Erhöhter Eintritt wg. Überlänge: 7,50 Euro, erm. für Schüler und Studenten: 6,50 Euro.
Internetseite: www.j-edgar.de
Verblendung
von David Fincher; USA 2011; 157 Min.; FSK: ab 16; Kamera: Jeff Cronenweth; Musik: Trent Reznor & Atticus Ross;
mit Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgard, Steven Berkoff, Robin Wright, Joely Richardson, Yorick van Wageningen u.a.
„Kaum zwei Jahre nach der schwedischen Verfilmung von Stieg Larssons Bestseller ,Verblendung‘ kommt nun die amerikanische Version in die Kinos. Unabhängig von der Frage ob solch ein schnelles Remake eines guten Films Sinn macht, ist David Finchers Version der Geschichte ein stilistisch atemberaubender perfekter Film, der erneut zeigt, warum Fincher einer der besten Hollywood-Regisseure der Gegenwart ist.
Es wäre leicht, diesen geschätzte 125 Millionen Dollar teuren Hollywood-Film als kalkulierte geschäftliche Entscheidung abzutun. Der riesige Erfolg der so genannten Millenium-Trilogie von den drei Romanen wurden weltweit über 65 Millionen Exemplare verkauft garantiert in Verbindung mit einer großen Hollywood-Produktion und dem damit verbundenen Werbeaufwand den finanziellen Erfolg. Dass die schwedische Verfilmung erst wenige Jahre alt ist und trotz der eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten ein ordentlicher Film war, macht es selbst für einen brillanten Regisseur wie David Fincher schwierig, eigene oder gar neue Akzente zu setzen. Der erste Eindruck ist dann auch: Finchers ,Verblendung‘ ist technisch perfektes Hollywood-Kino, aber letztlich nur wenig anders oder gar besser als das schwedische Original.
Der Inhalt ist natürlich identisch: Der investigative Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) wird von Henrik Vanger (Christopher Plummer), Patron des reichen und mächtigen Vanger-Clans, angeheuert. Vordergründig um die Biographie Henriks zu schreiben, in Wirklichkeit aber, um das lange zurückliegende Familiengeheimnis aufzuklären. Vor 40 Jahren verschwand Henriks geliebte Nichte Harriet spurlos und mit ihr die wirtschaftliche Bedeutung des Clans, vor allem aber seine moralische Überlegenheit. Gleichzeitig, zunächst isoliert von Blomkvists Ermittlungen, wird die zweite und in jeder Hinsicht faszinierendere Hauptfigur eingeführt: Lisbeth Salander (Rooney Mara), eine brillante Hackerin, äußerlich eine Mischung aus Punk und Goth, verschlossen, eigensinnig, radikal. Missbraucht von ihrem Vormund übt sie brutale Rache und wird schließlich Blomkvists Assistentin und auch seine Geliebte. Gemeinsam kommen sie einem finsteren Geheimnis auf die Spur, das von der heilen Oberfläche der schwedischen Gesellschaft nichts mehr übrig lässt.
Der Originaltitel des Romans lautete ,Männer, die Frauen hassen‘, und schildert eine in Stieg Larssons Augen durch und durch sexistische, frauenfeindliche Welt, der er mit Lisbeth Salander eine der interessantesten Figuren jüngerer Zeit gegenüberstellt. Inwieweit diese individualistische Person, die aber dennoch nach einem Platz in der Gesellschaft, der Nähe zu Mitmenschen sucht, ein glaubwürdiges feministisches Rollenmodell ist, wird sicherlich noch viele Hochschul-Seminare beschäftigen. Im blassen, gepiercten Angesichts Rooney Maras wird sie zu einer starken Filmfigur, die im Laufe der zweieinhalbstündigen Dauer zunehmend zur Hauptfigur wird. Und hier mag man den Schlüssel für das Interesse Finchers an dieser Geschichte sehen, der seine ,Verblendung‘ zu weit mehr als einem oberflächlich brillantem Thriller macht.
Eine bloße Serienkiller-Geschichte hatte er bekanntlich schon in ,Seven‘ durchexerziert, damals noch in jenem mitreißenden visuellen Stil, für den Fincher berühmt wurde, der seine technischen Fähigkeiten aber oft eher plakativ zur Schau stellte. Mit Filmen wie ,Zodiac‘ und besonders dem letztjährigen Meisterwerk ,The Social Network‘ hat Fincher eine neue Richtung eingeschlagen, die er auch in ,Verblendung‘ fortsetzt. Es sind Filme, die in jedem Moment eine fast schon einschüchternde technische Brillanz vermitteln, die nicht zuletzt durch das Drehen auf hochauflösendem Digitalmaterial eine fast unnatürliche Schärfe aufweisen, die zu dem Eindruck beiträgt, dass man es weniger mit Filmen zu tun hat als mit klinischen Versuchsanordnungen.
Immer wieder hat Fincher betont, dass er nicht daran glaubt, dass es viele richtige Möglichkeiten gibt, eine Szene zu filmen. In seinen Augen gibt es genau eine ,richtige‘ Einstellung, genau eine Einstellung, die frei von Subjektivität, frei von Emotionen ist. Diese Präzision, das kalte sezieren menschlicher Verhaltensmuster führt er auch in ,Verblendung‘ weiter.
Ein amerikanischer Kritiker bezeichnete denn auch ,Verblendung‘ nicht als Thriller, sondern als Thriller über einen Thriller, einen Film, der die zahllosen, oft winzigen Schritte einer Ermittlung bis ins kleinste Detail schildert, ohne sich emotional auf sie einzulassen. Der große Unterschied zu ,Zodiac‘ ist nun, das dort die fieberhafte Suche nach einem Täter ins Leere führte, die Erkenntnis blieb, dass es Dinge gibt, die nicht objektiv zu klären sind. ,Verblendung‘ ist das Positiv zu diesem Negativ, denn hier ermitteln Blomkvist und Salander ohne Rücksicht auf Verluste, so lange, bis die Wahrheit ans Licht gekommen ist. Das zwischenzeitliche Happy End jedoch lässt Fincher nicht stehen, der folgende, lange Epilog rückt die Dinge wieder gerade und zeigt die immanente Kälte dieser von David Fincher und seinen Mitarbeitern so faszinierend und vielschichtig gestalteten Welt.“ (Programmkino.de)
Läuft von Do., 9.2., bis Sa., 11.2., jeweils um 21.15 Uhr, am So., 12.2., um 12.00 Uhr in der Matinee und am Mi., 15.2., um 19.30 Uhr.
Erhöhter Eintritt wg. Überlänge: 8,00 Euro, von Do. bis Sa. für Schüler und Studenten ermässigt 7,00 Euro.
Internetseite: www.verblendung-film.de