Albert
Schweitzer
von Gavin
Millar; D/Südafrika 2009; 114 Min.; freigegeben ohne Altersbeschränkung;
Kamera: Cinders Forshaw; Musik: Colin Towns;
mit Jeroen Krabbé, Barbara Hershey, Judith Godrèche,
Samuel West, Jeanette Hain, Armin Rohde u.a.
Eine gewagte Besetzung hat sich der britische Regisseur
Gavin Miller (Danny, der Champion) hier zugetraut. Mit Jeroen
Krabbé als gealterter Albert Schweitzer in der Hauptrolle
und Armin Rohde als seinem besten Freund Albert Einstein sind
diese Rollen zwar eigenwillig besetzt, gehen aber gut auf. Überhaupt
konzentriert sich diese Biographie auf die letzten Jahre Schweitzers,
und Millar benutzt diese Männerfreundschaft, um an ihr die
politischen Konflikte dieser Zeit widerzuspiegeln.
1949 der zweite Weltkrieg ist vorbei, aber es tobt ein
neuer Krieg, der Kalte Krieg. Während Albert Schweitzer (Jeroen
Krabbé) noch der Gutmensch von Lambarene ist, der sich
für die afrikanische Bevölkerung aufopfert und dessen
Philosophie ,Ehrfurcht vor dem Leben weltweit Beachtung
findet, ist sein Freund Albert Einstein (Armin Rohde), der zur
Ächtung der Atombombe aufgerufen hat, den Nachstellungen
des amerikanischen Geheimdienstes ausgesetzt. Schweitzer wird
dieses Dilemma seines Freundes besonders bewusst, als er nach
Amerika fährt, um Spenden für sein Projekt zu sammeln.
Seine Begegnung mit Einstein ist für die Presse ein gefundenes
Fressen, auch ihn zu hinterfragen, und während er von Einstein
gedrängt wird, dessen Forderung nach Atombombenverzicht öffentlich
zu unterstützen, springen immer mehr seiner Geldgeber ab,
je öfter er mit ihm in der Presse abgelichtet wird. Aber
auch der Geheimdienst ist nicht untätig und lanciert eine
Verleumdungskampagne, die das Lebenswerk des fast 75-jährigen
Schweitzer in Misskredit bringen soll.
Aber nicht nur in Amerika weht ein neuer Wind, auch in Gabun gibt
es politische Veränderungen. Eine neue Partei will an die
Macht und entwickelt schnell ein nationales Selbstbewusstsein,
das vom amerikanischen Geheimdienst mit Geldversprechen geschürt
wird. So soll ein neues Krankenhaus gebaut und Lambarene geschlossen
werden. Was Schweitzer dem entgegen zu setzen hat, ist nicht viel.
Politisch ohnmächtig ist seine Klinik anfechtbar. Die hygienischen
Umstände, Sabotageakte und eine Pharmaindustrie, die damals
schon recht merkwürdige Methoden pflegte, machen den Arzt
angreifbar. Aber auch privat kriselt es, seine Frau ist krank
und seine Tochter wirft ihm vor, dass er sie zeitlebens vernachlässigt
hat, was er auch nicht wirklich bestreiten kann. Doch als alles
über dem berühmten Arzt zusammenzubrechen droht, naht
Hilfe von überraschender Seite. Die Bevölkerung Gabuns
nimmt die Sache in die Hand und verhilft dem Arzt zu der Anerkennung,
die ihm zusteht.
Gelegentlich neigt Miller dazu, ein wenig dick aufzutragen, aber
ihm ist ein Film gelungen, der über ein Porträt Schweitzers
hinausgeht und die damalige politische Lage mit einblendet. Vor
diesem Hintergrund erzählt er Details, die den wenigsten
bekannt sein dürften und den Menschen hinter dem Idol Schweitzer
zeigen in seiner unbeholfenen Art, in seiner gelegentlichen Unzulänglichkeit,
aber auch in seiner ganzen menschlichen Größe.
(Programmkino.de)
Jeroen Krabbé spielt Albert Schweitzer als mutigen
Kämpfer, gebrochenen Helden, aber auch selbstgefälligen
Menschen sehr routiniert. Noch viel überzeugender in ihren
aufopfernden Rollen an seiner Seite sind aber Barbara Hershey
als seine Frau Helene und Jeanette Hain als Tochter Rhena. Der
Film ist gut fotografiert mit vielen malerischen Totalen von Fluss-
und Dschungellandschaften. Insgesamt ein sehr ehrenwertes, nicht
überfrachtetes, konventionell inszeniertes Epos um eine der
großen Persönlichkeiten der Weltgeschichte. (Filmbewertungsstelle
Wiesbaden)
Läuft
am So., 7.3., um 12.30 Uhr in der Matinee, am Di., 9.3., um 14.30
Uhr im Seniorenkino und am Mi., 10.3., um 19.15 Uhr.
Internetseite: www.albertschweitzer-derfilm.de
Ghostwriter
von Roman
Polanski; F/D/GB 2009; 128 Min.; FSK: ab 12; Kamera: Pawel Edelmann,
Alexandre Desplat;
mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams, Kim Cattrall,
Tom Wilkinson, Timothy Hutton, Eli Wallach, James Belushi u.a.
Ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären für
die beste Regie (Roman Polanski), Berliner Filmfestspiele 2010.
Der britische Ghostwriter (Ewan McGregor) soll die Memoiren
des früheren Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan)
fertig stellen die Chance seines Lebens, meint sein Agent.
Der Verlag hat Lang eine hohe Millionengage für das Buch
zugesagt und die Zeit drängt für seinen ,Ghost
verspricht das einen Karrieresprung und ein fürstliches Honorar.
Doch von Anfang an steht das Projekt unter einem unguten Stern,
nicht zuletzt weil der erste Autor, Langs langjähriger Berater,
gerade bei einem tragischen Unfall starb.
Der neue Ghostwriter wirft seine Bedenken schnell über Bord
und reist auf die Atlantikinsel Marthas Vineyard, wohin
sich der Ex-Premierminister mit seiner Frau Ruth (Olivia Williams)
und einem kleinen Stab um seine attraktive Assistentin Amelia
Bly (Kim Cattrall) zurückgezogen hat. Doch die Ruhe der Insel
ist trügerisch: Langs Ferienhaus gleicht einem Hochsicherheitstrakt.
Welches Geheimnis birgt das Buchmanuskript, das im Safe liegt
und nicht das Haus verlassen darf? Schon ruft Langs Vergangenheit
die Presse und aufgebrachte Demonstranten auf den Plan, die das
Anwesen belagern. Inmitten des Tumults macht der Ghostwriter eine
Entdeckung, die den smarten Ex-Premier in ein ganz neues Licht
rückt. Er stößt auf eine globale Verschwörung
und befindet sich plötzlich in höchster Lebensgefahr.
,Eine rasante Achterbahnfahrt durch die Psychologie moderner Macht,
schrieb der Spiegel 2007 über Robert Harris Roman ,Ghost
wobei viele Kritiker und Leser die zentrale Figur, den
Ex-Premierminister Adam Lang, oft für eine nur leicht fiktionalisierte
Person aus dem wahren Leben hielten: Tony Blair. Für die
Verfilmung seines Bestsellers unter dem Titel ,Der Ghostwriter
hätte Harris auf keinen besseren treffen können als
Roman Polanski, der für ,Der Pianist mit dem Oscar
ausgezeichnet wurde und mit meisterhaftem psychologischem Suspense
(,Der Mieter), tief beunruhigendem Horror (,Rosemarys Baby)
und spannenden Thrillern über Macht und Korruption (,Chinatown)
seinen Ruf als einer der besten Regisseure immer wieder aufs Neue
unter Beweis stellte. (Verleihinfo)
Roman Polanski ist ein zu guter Regisseur, seine Arbeit
zu abgeklärt, als dass er sich von solchen Widrigkeiten in
die Knie zwingen lassen würde. Gerade in der ersten und der
letzten Szene setzt er starke Akzente in Form brutaler Unmittelbarkeit.
Der Film ist Entertainment auf höchstem Niveau, ist düster,
ohne den Sinn für Humor zu verlieren, konzis und mit genug
versteckten Anspielungen, um das etwas enge Korsett des Genres
hie und da zu lockern. (critic.de)
Mit schwarzhumorigen, pointierten Dialogen und einer herrlich
altmodischen Spannungsmusik des mehrfach Oscar-nominierten Komponisten
Alexandre Desplat treibt Roman Polanski Stück für Stück
seine Story voran, der niemals die Luft ausgeht, während
das Publikum zunehmend vor Spannung den Atem anhält. Polanskis
Meisterschaft erweist sich auch darin, wie er unbeseelten Dingen
Leben einhaucht, um sie zu Mitspielern zu machen: Das ominöse
Manuskript scheint ebenso ein Eigenleben zu führen wie das
verräterische Navigationsgerät, das den Ghostwriter
auf die richtige Fährte bringt. (Neue Zürcher
Zeitung)
Immer wieder hat Roman Polanski abgeschottete Systeme entworfen
und lässt den Zuschauer, wie etwa in ,Chinatown, in
die Haut von Klaustrophobikern schlüpfen, die sich in derlei
Systemen verfangen. In ,Der Ghostwriter funktioniert das
während der aufregend zwischen Tempo und Scheinstillstand
oszillierenden Exposition wie ein schön altmodischer Verschwörungsthriller.
(Der Tagesspiegel)
Läuft
von Do., 4.3., bis Mo., 8.3., jeweils um 19.15 Uhr und am Di.,
9.3., und Mi., 10.3., jeweils um 21.15 Uhr.
Erhöhter Eintritt wg. Überlänge: 6,50 Euro.
Internetseite: www.ghostwriter.kinowelt.de
Giulias
Verschwinden
von Christoph
Schaub; CH 2009; 87 Min.; Kamera: Filip Zumbrunn; Musik: Balz
Bachmann;
mit Corinna Harfouch, Bruno Ganz, Stefan Kurt, André Jung,
Sunnyi Melles, Teresa Harder, Max Herbrechter, Daniel Rohr, Christine
Schorn u.a.
Giulia (Corinna Harfouch) wird 50 und ist von ihren Freunden
zu einem Geburtstagsessen eingeladen worden. Auf dem Weg dorthin
verschwindet sie einfach. Während Giulia auf Abwegen ist,
sitzen die zurückgebliebenen Freunde im Restaurant und warten
und diskutieren über Haarausfall, Cholesterinwerte,
goldene Turnschuhe und die Frage, ob man nochmal 20 sein möchte.
In mehreren Erzählsträngen und exzellenten Dialogen
verhandeln der Schweizer Erfolgsautor Martin Suter, von dem das
Originaldrehbuch stammt, und Regisseur Christoph Schaub mal komisch,
mal melancholisch die Erfahrung des Älterwerdens.
Martin Suter, Autor von ,Die dunkle Seite des Mondes, ,Ein
perfekter Freund und ,Lila, Lila, hat das Drehbuch
zu ,Giulias Verschwinden geschrieben. Sein Einfluss ist
deutlich zu spüren. Wie ein Suter-Roman ist der Film elegant,
fast schon lapidar erzählt, und sein bürgerliches Personal
leidlich gut aussehend und gut verdienend aber auch nicht mehr
ganz frisch. Immer wieder tun sich kleine Abgründe auf, die
Farben sind dunkel gehalten, aber so düster, dass die Unterhaltung
leiden würde, wird es nie.
Die Geschichte spielt an einem einzigen Abend. Giulia (Corinna
Harfouch) ist auf dem Weg zu einem ,Anlaß, ihrem fünfzigsten
Geburtstag. In der Straßenbahn ist es eng und ungemütlich,
Feierabendverkehr. Neben Giulia unterhalten sich zwei Teenager
darüber, wie krass es sein muss, 30 zu sein. 20 OK, aber
30? Dann bittet eine ältere Dame sie, den Sitz neben sich
frei zu räumen. Giulia entschuldigt sich, sie habe die Dame
nicht gesehen. Lili nickt: ,Ich weiß, man sieht uns nicht
uns, die Alten. Und auf einmal kann Giulia ihr Spiegelbild
in der Scheibe nicht mehr sehen.
Auch bei ihren Freunden, die sich in den jeweiligen Wohnungen
auf das festliche Abendessen vorbereiten, macht sich das voranschreitende
Alter bemerkbar. Thomas kann sein Portemonnaie nicht mehr finden.
Valentin betrachtet seine schütter werdenden Haare und Lorenz
hat einen Fleck auf seinem Handgelenk entdeckt. ,War der schon
immer da?. Lebenspartner Stefan reagiert genervt. Auch die
Paare sind schon alt, lange zusammen, zwischen Vertrautheit und
Überdruss angekommen.
Schließlich finden sich alle im Restaurant ein. Alle, bis
auf Guilia. Frustriert hat sie sich durch die Stadt treiben lassen
und in einem Brillengeschäft John (Bruno Ganz) getroffen.
Der alte Charmeur hat sie bezaubert und in eine Bar entführt.
So sitzen also Giulia und John flirtend am Tresen, die Freunde
etwas genervt im Restaurant und die alte Dame aus der Straßenbahn
im Altersheim auf dem 80. Geburtstag ihrer renitenten Freundin
Leonie. Überall dreht sich das Thema ums Älterwerden,
um Cholesterinwerte, tote Freunde und die Frage ,wie benimmt man
sich mit 80?. Nur die beiden Teenager aus der ersten Szene,
die der Film ebenfalls weiter begleitet, berührt die Frage
noch nicht.
,Giulias Verschwinden verhandelt das Älterwerden in
einem komplexen Gebilde aus Erzählebenen, die alle einen
jeweils eigenen atmosphärischen Klang haben. Bei den ganz
Jungen überwiegt das Drama, die Unmittelbarkeit von Erleben
und Fühlen. Die mittelalten Melancholiker, denen die meiste
Zeit gewidmet ist, sehen auf ihr eigenes Leben mit einer Mischung
aus Skepsis und Humor. Bei den ganz Alten verschärft sich
der vorherrschend komödiantische Tonfall des Films zur schrillen
Farce. Und dann ist da noch die Romanze, die für einen
Moment den Alltag des Alterns vergessen lässt.
Die verschiedenen Ebenen verweben Regisseur Christoph Schaub und
Martin Suter überaus elegant zu einem harmonisch-unterhaltsamen
Klangteppich. Die Übergänge erfolgen fast unmerklich.
Die Dialoge, die fast sämtlich aus Plaudereien bestehen und
oftmals autobiografisch gefärbt sind, fließen federleicht
dahin. Die höfliche Oberfläche bleibt gewahrt, aber
manchmal blitzt dennoch eine Ahnung von Einsamkeit auf, von Angst
vor dem Tod oder dem Alter. Mal überwiegt die Melancholie,
mal die Komik. (Programmkino.de)
Läuft
von Do., 25.2., bis Mo., 1.3., jeweils um 19.15 Uhr und am Di.,
2.3., um 21.30 Uhr.
Internetseite: www.giuliasverschwinden.x-verleih.de
Sherlock
Holmes
von Guy
Ritchie; GB/AUS/USA 2009; 128 Min.; FSK: ab 12; Kamera: Philippe
Rousselot; Musik: Hans Zimmer;
mit Robert Dówney jr., Jude Law, Mark Strong, Kelly Reilly,
Rachel McAdams, James Fox u.a.
Arthur Conan Doyles berühmteste Figuren kehren in einer dynamischen
Kinoversion auf die Leinwand zurück: In Sherlock Holmes
muss der gefeierte Detektiv mit seinem unerschütterlichen
Partner Watson einen äußerst kniffligen Fall lösen.
Holmes beweist dabei, dass er seine Kampftechniken ebenso tödlich
einzusetzen weiß wie seinen legendären Verstand: In
einem beispiellosen Duell nimmt er es mit einem neuen Erzfeind
auf, um dessen mörderisches Komplott aufzudecken und das
gesamte Land vor dem sicheren Untergang zu bewahren.
Das geheimnisvolle Action-Abenteuer Sherlock Holmes
inszeniert der renommierte Filmemacher Guy Ritchie (Bube
Dame König Gras, Snatch). Robert Downey
Jr. leiht dem sagenhaften Detektiv seine Gestalt, und Jude Law
spielt Holmes zuverlässigen Kollegen Watson, der Sherlock
Holmes als Arzt und Kriegsveteran tatkräftig unterstützt.
Rachel McAdams spielt Irene Adler, die einzige Frau, die den Detektiv
je übertroffen hat seitdem verbindet die beiden eine
stürmische Beziehung. Mark Strong ist als ihr undurchsichtiger
neuer Widersacher Blackwood zu sehen, und Kelly Reilly übernimmt
die Rolle von Watsons Freundin Mary.
Dieser Holmes ist kein affektloser Rationalist, kein manierierter
Gentlemanästhet und kein gelangweilter Misanthrop, wie in
älteren Filminterpretationen. Vielmehr begegnen wir einem
Clown, der mit lustvollem Staunen auf die verrucht-verrückte
viktorianische Welt reagiert. Angesichts eines Einspielergebnisses
von knapp 200 Millionen Dollar in den USA darf festgehalten werden:
Die Prognosen über das ,Ende der Ironie waren verfrüht.
(Der Tagesspiegel)
Im Zentrum des Films ist dabei stets Robert Downey jr. als
Holmes, der sich als Amerikaner besonders große Mühe
gibt, ganz besonders britisches Englisch zu sprechen, was seinem
Auftritt etwas leicht Travestiehaftes verleiht. Da er aber mit
seinen stets weit aufgerissenen Augen zu einem dauerhaft ironischen
und irgendwie überexpressiven Spiel neigt, rundet die Sprechweise
seine Holmes Charakterisierung letztlich wunderbar ab. (Die
Welt)
Läuft
von Do., 25.2., bis Mo., 1.3., jeweils um 21.00 Uhr und am Di.,
2.3., um 19.15 Uhr.
Erhöhter Eintritt wg. Überlänge: 6,50 Euro.
Internetseite: www.sherlockholmes-derfilm.de
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