von Nikolaus Geyrhalter; A 2010; 92 Min.; FSK: ab 12; Kamera: Nikolaus Geyrhalter; Dokumentarfilm.
Die vielfach ausgezeichnete Dokumentation ,Abendland‘ erzählt von Europa bei Nacht. In 21 unkommentierten Episoden beobachtet Nikolaus Geyrhalter die Nachtarbeiter, die Europas Gesundheitssysteme und Spaßtempel am Laufen halten, die innere Sicherheit und Rundumüberwachung gewährleisten und die Maschine Europa nach außen abschotten, während wir alle rundum behütet und beruhigt in unseren Betten liegen. Das Ergebnis ist ein faszinierendes und düsteres Panorama eines paranoiden und technokratischen Europa.
,Abendland‘ zeigt 21 dokumentarische Episoden aus Europa. Die Sequenzen von 3 bis 10 Minuten Länge sind unvermittelt ohne Erzählerkommentar aneinander gereiht. Aufgenommen wurden sie alle nach Einbruch der Dunkelheit, viele von ihnen das merkt man an der besonderen Stille, die von ihnen ausgeht tief in der Nacht. Einige Orte, wie der Petersplatz in Rom, das Europäische Parlament oder die Anti-Atom-Demo im Wendland, sind sofort zu erkennen, andere, wie das Postsortierbüro in Langley, die Polizei-Schießanlage in Wittlich oder die Großraumdisko in Arnheim könnten irgendwo sein. Irgendwo in Europa.
Regisseur Nikolaus Geyrhalter und sein langjähriger Cutter Wolfgang Widerhofer zeichnen ein Panorama der Staatengemeinschaft als eiskalte, reibungslos funktionierende Maschine. Perfekt geölt im Innern und wehrhaft nach außen. Sie lassen ihren Film mit einer Infrarot-Kamera beginnen, die einsam und bedrohlich alles Lebendige an der slowakisch-ukrainischen Grenze aufspürt und sie beenden ihn am spanisch-marokkanischen Grenzzaun. Auch hier herrscht keine Regung außer der nächtlichen Patrouille. Dazwischen erzählen Szenen von der Überwachung im Innern, vom Polizeitraining in virtuellen Schießanlagen, riesigen Überwachungskameraanlagen in England und der seltsam höflichen, ritualisierten Räumung von Castor-Gegnern.
Ebenso glatt und perfektionistisch wie der Sicherheitsapparat erscheinen die zivilen Abläufe im Innern des europäischen Gebildes. Egal, ob der Film an wesentliche Traditionslinien Europas wie die christliche Kirche oder das europäische Parlament erinnert, oder ob er Stationen aus dem Kreislauf des Lebens abklappert immer geht es darum, wie diese Bereiche mit atemberaubender Präzision organisiert und verwaltet werden. So wird das Thema Geburt von einer Frühchenstation repräsentiert, auf der die Nachtschwester ein winziges Baby betreut, das sicher in kaum einem anderen Erdteil Überlebenschancen hätte, und der Tod von einem hochmodernen Krematorium, in dem kein Stäubchen und kein Angehöriger die mechanische Ordnung des letzten Weges trübt.
In langen ruhigen Szenen, und weiten Einstellungen, die den Protagonisten viel Bewegungsraum lassen, beobachtet ,Abendland‘, wie tief in der Nacht die Postbeamten, Huren, Telefonseelsorger, Krankenschwestern und Polizeibeamten Europas hochkonzentriert und professionell die Maschine am Laufen halten. Dabei mischt sich die Gesellschaftskritik, die die Auswahl der Szenen nahelegt, mit einer ansteckenden Faszination für die ausgeklügelten Abläufe, die das privilegierte System Europa überhaupt erst ermöglichen.
Anstatt aus den gezeigten Situationen lediglich Stoff für eine Polemik zu ziehen, interessiert sich Geyrhalter wirklich für das, was seine Protagonisten tun, wenn sie arbeiten. Jede neue Situation zieht einen erneut in ihren Bann und erzählt von Berufen, Tätigkeiten und Geräten, von denen man vorher nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Nachdem die Hightech-Schießübungen beendet und die Polizisten nach Hause gegangen sind, fegt ein einsamer Nachtarbeiter mit einer speziellen bogenförmigen Schaufel in langen kreisenden Bewegungen die heruntergefallenen Patronenhülsen ein. Das ergibt ein eigentümliches Klacken, das laut in den verlassenen, neonbeleuchteten Räumen nachhallt.
,Abendland‘ sieht und hört genau hin, sammelt die gesichtslosen Räume, in denen nicht repräsentiert, sondern gearbeitet wird, die ungewohnten technischen Geräusche, die mitten in der Nacht viel deutlicher zu hören sind, und die Lichtstimmungen der Dunkelheit. Damit ist ,Abendland‘ der sehr seltene Fall eines zutiefst politischen und zugleich sehr poetischen Films.“ (Programmkino.de)
Läuft am Di., 21.2., um 21.30 Uhr und am Mi., 22.2., um 19.15 Uhr.
Erm. Eintritt für Schüler & Studenten am Di.: 6, Euro.
Internetseite: www.realfictionfilme.de
Gerhard Richter Painting
von Corinna Belz; D 2011; 97 Min.; freigegeben ohne Altersbeschränkung; Kamera: Johann Feindt, Frank Kranstedt, Dieter Stürmer; Dokumentation
„Lange Jahre lehnte Gerhard Richter, einer der berühmtesten Künstler der Gegenwart, die zahlreichen Anfragen für Filmprojekte ab. Der Dokumentarfilmerin Corinna Belz gelang es, ihn vor die Kamera zu bekommen und Richter bei der Arbeit zu beobachten. (…)
In der Phase, in der dieser Film entstand, arbeitete Richter vorwiegend in großformatigen Bildern, auf die er breitflächig Farben aufträgt, wieder abschabt, übermalt, bis er schließlich irgendwann mit dem Ergebnis zufrieden ist. Warum er ein Bild für fertig hält, was er sucht oder gar ob er damit etwas ausdrücken will, auf all diese Fragen gibt Richter keine Antwort, vermutlich will er es auch gar nicht. Immer wieder versucht Belz ihn zu einer konkreteren Aussage zu bewegen, und immer wieder scheitert sie. (…) Letztlich spielt es aber auch keine Rolle, was Richter zu seiner Arbeit zu sagen hat, denn schließlich drückt er sich in ihr aus, steht und spricht sie für sich selbst. Immer dann, wenn Belz dies akzeptiert, wenn sie nichts anderes tut, als Richter bei der Arbeit zu beobachten, den Titel ihres Films also wirklich ernst nimmt, ist ,Gerhard Richter Painting‘ ein faszinierendes Dokument. Dann kann man dabei zusehen, wie Kunst entsteht, wie ein Bild durch immer neue Farbaufträge sozusagen wächst, wie es sich entwickelt, wie durch kleine Veränderungen ein ganz neuer Eindruck entsteht. In diesen Momenten erinnert Belz’ Film an Henri-Georges Clouzots großartigen ,Le mystère Picasso‘, in dem Picasso durch optische Tricks praktisch direkt auf die Leinwand malte. Die Genese eines Kunstwerks war dort so unmittelbar zu erleben wie selten und sie ist es auch hier. (…)“ (Programmkino.de)
„Wenn ein Mann, der als der wichtigste Künstler der Gegenwart gilt, in sein Atelier einlädt, dann ist das eine Sensation... Nun hat der Maler der Filmemacherin Corinna Belz erlaubt, ihm beim Arbeiten zuzusehen. Belz darf dokumentieren, mit welcher konzentrischen Kraft der scheue Richter Kunst schafft, wie ernsthaft er mit ihr hadert. (...) Es ist ein ruhiger, auch intensiver Film geworden, getragen von einer leisen Spannung, und er dauert einen ganzen, abstrakten Bilderzyklus lang.“ (Der Spiegel)
von Nina Kusturica; A 2009; 93 Min.; FSK: ohne Altersbeschränkung; Kamera: Christoph Hochenbichler; Dokumentarfilm.
Sie leben. Weil sie geflüchtet sind. Die Teenager Juma und Hishame versuchen unter lebens-gefährlichen Umständen, versteckt im Fahrgestell eines LKW nach Europa zu flüchten, wo sie zu den Gejagten der Grenzbehörden werden. Ahmed, Nura, Achmad und Asha haben es gerade über die Grenzzäune geschafft.
In Österreich angekommen, versuchen sie ihr Leben neu zu gestalten und kämpfen für ihr Recht auf eine mehr oder weniger unbeschwerte Jugend. Jawid und Alem leben schon seit eineinhalb Jahren in Wien, in der Hoffnung auf Gewährung von Asyl.
Die traumatische Erfahrung des Verlusts, die Sehnsucht nach ihren Familien, der Blick in eine vollkommen ungewisse Zukunft, die Bedeutung von Paragraphen und Behördenodysseen, die sie zu bewältigen haben, bestimmen den Prozess des Neuanfangs.
Obwohl ihr Leben maßgeblich von oft unmenschlichen Gesetzen bestimmt wird, nehmen sie es mit viel Humor und haben ihre eigenen Mechanismen entwickelt, die ihnen helfen, diese Last zu bewältigen. Sie leben ihre Jugend mit vollen Atemzügen, sind laute, freche, verliebte und heranwachsende Menschen, die gerade für ein selbst bestimmtes Leben kämpfen.
„,Little Alien‘ stellt ein zeitgeschichtlich bedeutsames Dokument über das Heranwachsen von Jugendlichen unter den widrigen Bedingungen der postkolonialistischen Ära dar, die für Millionen von Menschen durch Flucht und Exil gekennzeichnet ist. Gleichzeitig aber gelingt es Nina Kusturica damit, ein Stück ungewöhnlicher Jugendkultur zu präsentieren, das von den Klängen und engagierten Texten der entsprechenden Musik begleitet wird, während auf Kommentare gänzlich verzichtet wird. Die Titelsongs ,In Trains‘ und ,The Market‘ des österreichischen Musikers B. Fleischmann flankieren atmosphärisch ansprechend diese berührende Dokumentation, die einerseits die temporäre Lebensfreude ihrer jugendlichen Protagonisten transportiert und andererseits auch in die traumatisierenden Abgründe ihrer vagen Lebenssituation blickt, bis das Auge zittert.“ (kino-zeit.de)
Läuft am Di., 7.2., um 21.00 Uhr.
Erm. Eintritt für Schüler & Studenten: 6, Euro.
Internetseite: www.littlealien.at
Mama Africa Miriam Makeba
von Mika Kaurismäki; SF/D/Südafrika 2011; 88 Min.; O.m.dt.U., FSK: ohne Altersbeschränkung;
Kamera: Jacqus Cheuiche, Wolfgang Held, Frank P. Lehmann, Martina Radwan, Eran Tahor; Dokumentarfilm.
Mika Kaurismäkis Dokumentaressay über die weltbekannte südafrikanische Sängerin Miriam Makeba, die ein halbes Jahrhundert lang die Welt bereiste und ihre politische Botschaft gegen Rassismus, gegen Armut und für Gerechtigkeit und Frieden verbreitete, ist die Hommage an eine Frau, die wie keine andere die Hoffnung und die Stimme Afrikas verkörperte. Miriam Makeba (1932 - 2008) hat Musiker überall auf der Welt inspiriert und ein internationales Publikum begeistert. Gleichwohl ist sie den südafrikanischen Wurzeln ihrer Musik immer treu geblieben. Ins Exil wurde sie schon 1959 getrieben, nachdem sie in dem Apartheidkritischen Dokumentarfilm „Come back, Africa“ mitgewirkt hatte. Harry Belafonte verhalf ihr in die USA, wo sie 1962 unter anderem bei einer Geburtstagsfeier John F. Kennedys auftrat und 1967 mit „Pata Pata“ ihren ersten Welthit hatte. Als sie 1968 den Black-Panther-Aktivisten Stokely Carmichael heiratete und ins Fadenkeuz des FBI geriet, liess sie sich in Guinea nieder und setzte ihr Engagement gegen das weisse Apartheid-Regime in ihrer Heimat von dort aus fort. Den Lebensweg dieser aussergewöhnlichen Künstlerin, die mehr als 50 Jahre lang musikalisch für Furore sorgte, stellt der Film mit Hilfe von seltenen Dokumentaraufnahmen und zahlreichen Interviews dar. Freunde, Verwandte und Kollegen, die Miriam Makeba zum Teil schon seit deren Anfängen in den Dancehalls von Johannesburg kennen und schätzen, kommen dabei ebenso zu Wort wie junge Vertreterinnen der afrikanischen Musikwelt. (Verleihinfo)
„In bereits drei Dokumentarfilmen hat Mika Kaurismäki sich mit der positiven Ausstrahlung von Musik auf Menschen und ihr soziales Umfeld befasst. Sein jüngster Streich widmet sich nun der 2008 verstorbenen afrikanischen Sängerin Miriam Makeba. Mit seltenen Archivaufnahmen und den Erinnerungen ehemaliger Begleiter und Freunde skizziert er den interessanten und bewegenden Lebensweg der lange aus ihrer südafrikanischen Heimat verbannten ,Mama Africa‘ und ihres dauerhaften Kampfes für die Rassengleichstellung.
,Ich besinge keine Politik. Ich singe lediglich die Wahrheit.‘ Der 1932 im Township Prospect bei Johannesburg geborenen Sängerin Miriam Makeba hat diese Auffassung künstlerischen Ausdrucks eine ganze Menge an Zuspruch gebracht. In den Augen der ein oder anderen Regierung jedoch wurde sie dadurch untragbar. Nachdem sie sich 1959 im französischen Film ,Come back Africa‘ von Lionel Rogosin kritisch über die Lebensbedingungen der schwarzen Bevölkerung in Südafrika geäußert hatte, empfahl es sich für sie trotz ihres künstlerischen Erfolges mit den ,Manhattan Brothers‘ oder der Frauenband ,Skylarks‘ ins Exil zu gehen. Nach einer Rede vor den Vereinten Nationen wurde ihr 1963, als erster schwarzen Musikerin, gar die südafrikanische Staatsbürgerschaft entzogen.
Doch auch in den USA, wo Miriam Makeba bald schon im bekannten Village Vanguard auftrat und 1967 mit ,Pata Pata‘ ihren weltweit größten Hit landete (der gelangte damals als erster Song einer farbigen Musikerin in die Top-Ten, Makeba mochte ihn seiner inhaltlichen Belanglosigkeit wegen später nicht mehr), wurde sie Ende der 60er Jahre nach ihrer Heirat mit dem afroamerikanischen Black-Panther-Aktivisten Stokely Carmichael zur unerwünschten Person erklärt. Bis zur Scheidung zehn Jahre später lebte sie mit ihm in Guinea, tourte viel durch Europa, Südamerika und Afrika. Private und persönliche Schicksalsschläge machten ihr in den Folgejahren dann aber das Leben zunehmend schwerer.
Gleichwohl setzte sie sich weiterhin für Menschenrechte ein, trat mit Paul Simon auf dessen ,Graceland‘-Tournee auf und kehrte nach Nelson Mandelas Freilassung 1990 nach 27 Jahren im Exil wieder in ihre Heimat Südafrika zurück. Vom Musikgeschäft verabschiedete sich ,Mama Africa‘, wie sie liebevoll in ihrer Heimat und von ihren Anhängern genannt wurde, dann im Jahr 2005 und absolvierte lediglich noch kleinere Auftritte. Ein Benefizkonzert zugunsten des von der Camorra bedrohten Schriftstellers und Journalisten Robert Saviano am 9. November 2008 im italienischen Castel Volturno sollte ihr letzter sein. Nach einem Herzinfarkt auf der Bühne starb sie im Alter von 76 Jahren.
Mika Kaurismäki, älterer Bruder des finnischen Kultregisseurs Aki Kaurismäki, sieht ,Mama Africa‘ als natürliche Fortsetzung seiner drei vorangegangenen Musikdokumentation ,Moro do Brasil‘ (2002), ,Brasileirinho‘ (2005) und ,Sonic Mirror‘ (2007). ,Miriam Makeba und ihr Leben sind vermutlich eines der stärksten Beispiele dafür, wie sich Kunst in den Dienst von sozialen und politischen Zielen stellen kann und umgekehrt‘, sagt Kaurismäki über jene Frau, die einst den Afrolook in der westlichen Welt populär gemacht hat.
Sein bewegendes filmisches Porträt geht dabei weitestgehend chronologisch vor. Beginnend mit Straßenkämpfen in den südafrikanischen Townships zeichnet der Finne den vielschichtigen Lebensweg der 1986 mit dem Friedenspreis der Diplomatic Academy for Peace ausgezeichneten Sängerin nach und beleuchtet dabei ihre verschiedenen Rollen als Musikerin und Künstlerin, als politisch engagierte Aktivistin und nicht zuletzt als Familienmensch. Insbesondere ihre beiden Enkel Zenzile Monique und Nelson Lumumba Lee (Kinder von Makebas einziger Tochter Bongi Makeba Lee, die selbst auch viele Texte für Miriam Makeba schrieb) kommen immer wieder zu Wort, ebenso einige ihrer langjährigen Begleitmusiker und Musikerkollegen wie Abigail Kubeka (,Skylarks‘), Joe Mogotsi (,The Manhattan Brothers”). Als Vertreterin der von Miriam Makeba maßgeblich beeinflussten farbigen Sängerinnen kommt Angélique Kidjo zu Wort.
Dass Makeba während des Filmprojektes unerwartet verstarb, sollte letztendlich kein Hindernis sein, sondern bestärkte Kaurismäki noch mehr in seiner mit reichlich Archivmaterial gespickten Arbeit. Für ihn war Makeba nicht nur im künstlerischen Sinne die Stimme Südafrikas, sondern auch im Sinne einer Fürsprecherin, die mit ihrem großen Herz vielen Menschen Mut und Hoffnung gab und sie motivierte, weiter gegen Ungerechtigkeiten anzukämpfen. Parallel zum Lebensweg der Sängerin kommt er daher immer wieder auch auf die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen Südafrikas zurück. Zu behaupten, der in Brasilien lebende Mika Kaurismäki habe Miriam Makeba ein filmisches Denkmal gesetzt, ist also durchaus legitim. Jene, die sie bislang eher als Interpretin kannten, werden überrascht sein. Gut unterhalten wird man mit den zahlreichen in diesem bewegenden Porträtfilm angespielten Musiktiteln und Konzertausschnitten allemal.“ (Programmkino.de)
Läuft am Di., 7.2., und Mi., 8.2., jeweils um 19.15 Uhr.
Internetseite: www.mamaafrica-film.de
Pachakútec Zeit des Wandels
von Anya Schmidt; D 2010; 89 Min.; freigegeben ohne Altersbeschränkung; Dokumentarfilm mit Ñaupany Puma.
Auf einem 5.400 Meter hohen Gipfel in den Anden Perus, inmitten von schroffem Felsgestein, wirft sich ein junger Mann in traditionellem Gewand auf den Boden, hebt den Blick zum Himmel und betet in alter Quechua Sprache zu den Kräften von Vater Sonne und Mutter Erde. Es ist Ñaupany Puma, ein Sonnenpriester und Nachfahre der alten Puma-Stammesgemeinschaft, die vor rund 500 Jahren im Inkareich lebte.
Die alten Überlieferungen der Inka besagen, dass die Menschheit jetzt einen großen Wandel durchlebt, der bekannt ist als das Pachakútec. Pachakútec signalisiert das Ende eines großen Zeitzyklus von rund 26.000 Jahren und eine Phase von grundlegenden Veränderungen, die uns in ein neues Zeitalter führen wollen.
Für Ñaupany Puma hat diese Energie der Zeitenwende 2007 an Intensität gewonnen. Und so begibt er sich in jenem Jahr auf einen Pilgerweg um die Erde, mit dem Ziel, Erkenntnisse für diese Zeitenwende zu sammeln: Welche Veränderungen stehen jetzt bevor für Mutter Erde und jeden Einzelnen?
Immer den Zeichen der Sonne folgend, reist Ñaupany durch mehrere Kontinente. Er taucht ein in das Mysterium der alten Sonnenvölker und längst vergessener Ur-Weisheit, führt uns durch einzigartige Landschaftswelten und zu einer tiefen Begegnung mit dem Geist von Sonne, Erde und Natur.
Läuft am Sa., 17.12., und So., 18.12., jeweils um 17.00 Uhr.
Internetseite: www.pachakutec.com
Radioactivists
von Julia Leser & Clarissa Seidel; D/Japan 2011; 72 Min.; Kamera: Julia Leser, Clarissa Seidel, Arseny Rossikihn; Musik: We Want Wine, Junsuke Kondo; Dokumentarfilm.
Seit der Katastrophe am 11. März erlebt Japan gesellschaftspolitische Erschütterungen von historischer Bedeutung. Besonders in Tokio entfacht ein Protest, der sich vor allem gegen die Regierung, Atomaufsichtsbehörde und den Energiekonzern TEPCO richtet.
Straßenproteste galten hier bisher als seltener Anblick. Eine Protestkultur ist im Japan der „nuller“ Jahre quasi nicht existent. Eine Ausnahme bildet lediglich die Gruppe kreativer Aktivisten des Shiroto no ran, dem „Aufstand der Amateure“. In dem alternativen Viertel Kenji treten sie für mehr Freiheit im öffentlichen Raum Tokios sowie eine einfallsreiche Do It Yourself-Kultur ein.
Die Aktivisten um Shiroto no ran organisierten am 10. April, knapp einen Monat nach der Katastrophe, die größte Demonstration in Japan seit den 1970er Jahren. Mehr als 15.000 Teilnehmer demonstrierten an diesem Tag gegen Atomkraft. Dabei geht es den meisten Aktivisten der japanischen Anti-Atom-Demos um mehr als den Atomausstieg. Sie wollen auch auf die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen sowie die fehlenden Freiräume für ihre persönliche Entfaltung aufmerksam machen.
„Radioactivists“ setzt an dieser Stelle an, begleitet die Protestbewegung, zeigt die Hintergünde auf und lässt die kritischen Stimmen zu Wort kommen, die nicht nur in Japan immer lauter werden.
Premiere Erlenbacher Filmgespräch am So., 4.3., um 12.00 Uhr in der Matinee.
Eine weitere Vorstellung gibt es am Mi., 7.3., um 19.15 Uhr.
Internetseite: www.radioactivists.org/de