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.dok – Dokumentarfilme zum Lauf der Zeit

 

 

„The Doors: When you're strange“

 

 

Babys

von Thomas Balmès; F 2009; 79 Min.; freigegeben ohne Altersbeschränkung;
Kamera: Jerome Almeras, Frazer Bradshaw, Steeven Petitteville; Musik: Bruno Coulais; Dokumentarfilm.




„Eine tolle Idee, die in der filmischen Umsetzung dann nur bedingt funktioniert. Das ist Thomas Balmès Dokumentarfilm ,Babys‘, in dem vier Babys in Amerika, Namibia, Japan und der Mongolei von der Geburt bis zu den ersten Schritten beobachtet werden. Ähnlichkeiten und Unterschiede zeigt der Film auf und kommt dabei teils zu überraschenden, teils zu banalen Ergebnissen.
Es liegt immer im Auge des Betrachters, ob die Ähnlichkeiten oder Unterschiede zwischen den Kulturkreisen der Welt im Vordergrund stehen. So wird es auch bei der Rezeption von ,Babys‘ sein, einem Dokumentarfilm des französischen Regisseurs Thomas Balmès. Vier Babys stehen im Mittelpunkt seiner Arbeit, zwei aus der technologisierten, entwickelten Welt, zwei aus der so genannten Dritten Welt: Ponijao aus Opuwo in Namibia, Mari aus Tokio in Japan, Bayar aus Bayandchandmani in der Mongolei und Hattie aus San Francisco an der amerikanischen Westküste.
Das sind zwar vier Länder, vier Kulturen, eigentlich aber nur zwei, die konstant gegenübergestellt werden. Zum einen das überkommerzialisierte Leben in den Industriestaaten, zum anderen das traditionelle, ländliche Leben in der Dritten Welt. Hier werden die Babys vom Tag ihrer Geburt verhätschelt, mit Konsumgütern überschüttet, im kleinsten Alter in interaktive Babygruppen gesteckt und von früh bis spät umsorgt. Dort werden die Babys schon früh sich selbst überlassen, krabbeln unbeaufsichtigt im – nach westlichen Maßstäben – Dreck, laufen nackt zwischen Tieren herum und wirken dabei viel glücklicher als ihre westlichen Pendants. Es ist aufschlussreich, die Babys aus San Francisco und Tokio zu sehen, wie oft sie schreien und brüllen, wie sie befremdet den Bemühungen ihrer Eltern folgen, sie möglichst früh zu aktiven Personen heranzuziehen. Dagegen sind die Babys in Namibia und der Mongolei von Anfang an kleine Individuen, die sich mit ihren zahlreichen Geschwistern herumschlagen (bisweilen im wahrsten Sinne des Wortes) und keinerlei Scheu vor Tieren haben. Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Aufregung es im übervorsichtigen, nachgerade sterilen Westen verursachen würde, wenn ein Baby von einem Hund abgeschleckt wird, zwischen den Beinen einer Kuhherde krabbelt oder auf einer rostigen Tonne sitzt.
Es ist die größte Stärke des Films, solche Unterschiede aufzuzeigen, auch subtile Kritik an den Erziehungsmethoden westlicher Eltern zu üben, ohne das Aufwachsen unter offensichtlich ärmlichen Verhältnissen in Namibia oder der Mongolei zu verklären und deren Nachteile zu kaschieren. (…)“ (Programmkino.de)

Läuft wieder Anfang Oktober, den genauen Spieltermin entnehmen Sie bitte dem Oktober-Programm.
Internetseite: www.babys.kinowelt.de

 

The Doors: When You’re Strange

von Tom DiCillo; USA 2010; 86 Min.; O.m.U.; FSK: ab 12; Kamera: Paul Ferrara; Dokumentarfilm.



Kaum eine Band hat das Aufbegehren einer jungen Generation so verkörpert wie "The Doors". Ihre unverwechselbaren Sounds, ihr Wille zu bedingungsloser künstlerischer Freiheit, ihr Hang zu den dunklen Seiten der Seele und Jim Morrisons Exzesse inspirierten Generationen von Jugendlichen: cool, rebellisch, unsterblich. Fast 40 Jahre nach dem Tod des charismatischen Rock-Poeten Jim Morrison hat die Band nichts von ihrer Faszination eingebüßt. (Verleihinfo)

„Die erste Kino-Doku über die legendäre Band aus Los Angeles ist vor allem ein Film für Fans, die sich an allerhand Archivmaterial satt sehen können. Im Mittelpunkt steht natürlich Sänger Jim Morrison, den Regisseur Tom DiCillo zum größten und geheimnisvollsten Star der ausklingenden 60er hochjubelt. In der Originalversion ist Johnny Depp als Erzähler zu hören, der dem Film ein wenig Hollywood-Glanz verleihen soll. ,The Doors: When You’re Strange‘ bleibt ein letzlich lauwarmer Erklärungsversuch, aber ein mitreißender.
Man hatte es schon befürchtet: ,When You’re Strange‘ ist natürlich nicht nur die Doku einer Band, sondern auch der Versuch, die kulturelle Revolution im Amerika der 60er Jahre einzufangen und zu deuten. Die Ermordung von Robert Kennedy, Civil-Rights-Movement, Flower-Power: Allzu bemüht wirkt der Versuch von Tom DiCillo, seinen Film zu etwas Größerem als nur einem hübschen Bandporträt zu machen. An sich ist der Versuch lobenswert, die Doors in ihrem damaligen sozio-kulturellen Kontext zu stellen, allerdings wirkt die Zusammenstellung von Archivmaterial und Originalaufnahmen all zu beliebig und selten pointiert.
Dennoch kann man sich dem Rausch der Bilder kaum erwehren: Zu sehen, wie Jim Morrison bei einem Miami-Konzert im LSD-Rausch von der Polizei abgeführt wird (angeblich, weil er auf der Bühne sein Geschlechtsteil präsentiert hat) inklusive dem Aufbegehren der Zuschauer, ist mehr als erstaunlich. Als heutiger Konzertgänger und Zeuge routinierter 90-minütiger Rockshows, bekommt man eine ziemlich genaue Vorstellung davon, welch radikales Potenzial doch Rock-Konzerte einst hatten, wo Hippies und Beatniks zu gleichen Teilen von freier Liebe sangen und sich mit ähnlichem Engagement den knüppelnden Gesetzeshütern stellten.
,When You’re Strange‘ beginnt und schließt mit kleinen Ausschnitten aus ,HWY‘, einem Film von 1969, der einen vollbärtigen Jim Morrison zeigt, wie er im Auto durch die Wüste fährt und im Radio von seinem eigenen Tod erfährt. Im Wikipedia-Stil wird dazwischen die Bandhistorie abgearbeitet: Wie der Sänger dem Keyboarder Ray Manzarek 1965 in Venice Beach über den Weg läuft und beiden die Doors gründen, wie man erste Erfolge feiert, in Drogen die Spiritualität sucht – bis hin zu Morrisons Weggang nach Paris und seinem Tod in der Badewanne. Man erfährt, dass Jim Morrison extreme Selbstzweifel wegen seines Gesangs hatte und ständig versuchte, sich an seinen Idolen zu messen. Zuerst an Elvis, später an Frank Sinatra – ironischerweise Aushängeschilder des gutsituierten, amerikanischen Langweilertums.
Was den Film dennoch sehenswert macht: Tom DiCillo gelingt es gleichzeitig den Frontmann kultisch zu verehren und anhand von Alltagsszenen wiederum als ganz normalen und verletzlichen Menschen zu zeigen – und damit ein bisschen mit seinem Mythos zu brechen. Wir sehen Morrison als verwöhntes Kind, später als gequälten Künstler, als Sexsymbol und als fertiges Alkohol-Wrack. Für den Filmemacher (der mit Independent-Werken wie ,Johnny Suede‘ oder ,Delirious‘ für ein wenig Aufsehen sorgte) ist die Sache klar: In dem Tempo mit dem Morrison Himmel und Hölle durchlebt hat, bleibt er in der Geschichte der Rockmusik – trotz Hendrix, Joplin oder Cobain – absolut einzigartig.“ (Programmkino.de)


„Tom DiCillos sensationeller Dokumentarfilm zeigt die Doors als Kritiker der amerikanischen Vernunft. (…) Wenn der Held in seinem wüstenhimmelblauen Ford Mustang den kalifornischen Highway hinunterreitet, folgt er nicht nur der altamerikanischen Erzählung vom einsamen Cowboy, die Geister toter Bluessänger sind mit ihm, die an einer Straßenkreuzung ihre Seele dem Teufel verkauften, und dahinter werden die europäischen Bilder vom poète maudit sichtbar. Es ist der Mythos vom sich selbst verschwendenden Künstler, der seiner Selbststilisierung zugrunde liegt. Ein Entkommen daraus war nicht möglich. Der postmoderne, souverän mit seinem Image spielende Rockstar wurde erst ein Jahrzehnt später erfunden.“ (Die Zeit)

Läuft von Do., 26.8., bis So., 29.8., jeweils um 21.30 Uhr.
Ermässiger Eintritt für Schüler und Studenten: 5,– Euro.
Internetseite: www.whenyourestrange.de

 

 

Herbstgold

von Jan Tenhaven; D 2010; 98 Min.; freigegeben ohne Altersbeschränkung;
teilweise O.m.U.; Kamera: Marcus Winterbauer; Musik: Andy Baum; Dokumentarfilm.


Immer nach dem Motto ,Wer rastet, der rostet‘ setzen die Senioren in Jan Tenhavens fulminanter Sportdokumentation alles daran, nicht zum alten Eisen zu gehören. Ilse, Alfred, Jiøí, Herbert und Gabre sind fünf Sportler, im Alter von 82 bis 100 (!) Jahren, die sich mit Eifer für die Weltmeisterschaften der Senioren im finnischen Lathi vorbereiten. Mit viel Herz und Humor inszeniert der Regisseur seine Hommage an die sportbegeisterten Senioren. Ihr Mut und ihre Vitalität wirkt ansteckend, nicht nur für ältere Zuschauer.
99 Jahre ist der Wiener Maler Alfred Proksch bereits geworden. Für die meisten Menschen wäre dies Grund genug, um in Ruhe den Lebensabend zu genießen. Doch der agile Hobbysportler hat noch ehrgeizige Ziele. Er möchte an den Weltmeisterschaften im Seniorensport im finnischen Lathi teilnehmen. Dann wäre der Diskuswerfer mit hundert Jahren der älteste Teilnehmer. Alfred Proksch ist zuversichtlich, sein Ziel zu erreichen, auch wenn sein Körper schon längst nicht mehr so reibungslos funktioniert und jede Verletzung das Aus bedeuten könnte.
Eine Alternative zu seinem sportlichen Plänen gibt es auch für Jiøí nicht. Für den 82-jährige Hochspringer aus Tschechien ist der Sport schon immer ein wichtiger Lebensinhalt gewesen. Auch wenn seine Frau den Kopf schüttelt angesichts einer ganzen Liste an Verletzungen, die sich der Hochspringer im Laufe der letzten Jahre bei seinem sportlichen Tun zugezogen hat. Mit Akribie trainiert er ebenso intensiv für eine neue Bestmarke in seiner Altersgruppe wie Ilse, die 85-jährige Kugelstoßerin aus Kiel, die das Eisen unbedingt auf 6 Meter wuchten möchte.
Mit 93 Jahren träumt auch der Kurzstreckenläufer Herbert (93) aus Stockholm noch einmal von einem Platz auf dem Siegertreppchen in Lahti. Dafür geht der Schwede bei Wind und Wetter ins tägliche Lauftraining. Scheinbar weniger verbissen bereitet sich die Italienerin Gabre Gabric auf ihren Wettkampf im Diskuswurf der Damen vor. Ihre größte Sorge gilt ihrem Alter, das sie niemandem verrät, auch wenn ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen von Berlin im Jahre 1936 schon Rückschlüsse erlaubt.
Regisseur Jan Tenhaven hat die fünf Seniorensportler bei ihren Vorbereitungen für Lathi 2009 begleitet. Einen Film über Sport wollte er machen, herausgekommen ist dabei ein faszinierender Blick auf eine Gesellschaft im Wandel. Wie schon in Andreas Dresens Erotikdrama ,Wolke 9‘ oder dem begeisternden Chorfilm ,Young at Heart‘ von Stephen Walker zeigt auch ,Herbstgold‘, dass immer mehr alte Menschen auch als Senioren ihre Lust am Leben nicht aufgeben, sondern mit einer beherzten ,Jetzt-erst-recht-Haltung‘ allen Widrigkeiten trotzen. Auch wenn der Film bei den Sportlern Tendenzen zu Überehrgeiz und Eitelkeiten aufzeigt, imponiert doch die Vitalität und Energie, mit der alle Beteiligten gegen typische Alterserscheinungen wie Krankheit und Einsamkeit ankämpfen. Wenn da im Eifer des Gefechts der Kampf gegen die Konkurrenz auch schon mal bedenkliche Züge annimmt, federt der Film mit feinem Humor solche Wettkampfallüren ab. Tenhavens Hommage an die agilen Alten ist nicht zuletzt auch ein beherzter Appell, sein Leben in jeder Situation mit Witz und Willenskraft zu meistern.“ (Programmkino.de)


„Das Thema ist nicht nur spannend, das ergibt auch einen sehr guten, interessanten, aber vor allem sehr lustigen Film, bei dem aber keineswegs über die Sportopas und -omas gelacht wird. Die fünf Sportler aus fünf Ländern werden nicht nur beim Training, sondern auch im Alltag begleitet, dabei sprechen sie offen sowohl über Verletzungsgefahren beim Trainieren wie auch über Sex im Alter, und zwar keineswegs in Form von ,das war einmal‘. Es gibt stille, feine Momente in diesem Film und starke, emotionale bis zum Finale, den Weltmeisterschaften in Finnland, wo sich die Anstrengungen des Trainings in Metall, tunlichst in goldenes verwandeln sollen.“ (Schnitt.de)


„Dass der Film trotz einiger Längen im Mittelteil über weite Strecken fasziniert, liegt vor allem daran, dass Jan Tenhaven seinen Senioren größtenteils das Feld überlässt. Vor allem diese Menschen sind es, die den herzlichen und lebensbejahenden Charakter des Films ausmachen. Rein statistisch gesehen schon mit einem Bein im Grab, gehen sie mit ihrem Alter so selbstbewusst um wie mit ihrem Körper. So leidet und lacht man mit ihnen, verliert ein wenig die Furcht vor dem Altern und bekommt fast Lust, nach dem Kinobesuch direkt mal wieder ein wenig Sport zu treiben.“ (critic.de)

Läuft wieder im Oktober, die genauen Spieltermine entnehmen Sie bitte dem Oktober-Programm.
Internetseite: www.herbstgold-derfilm.de

 

 

Janes Journey – Die Lebensreise der Jane Goodall

von Lorenz Knauer; D 2010; 105 Min.; Kamera: Richard Ladkani; Dokumentarfilm



„Eindrucksvoll setzt Regisseur Lorenz Knauer mit seinem Dokumentarfilm ,Jane´s Journey – Die Lebensreise der Jane Goodall‘, der preisgekrönten Grand Dame des globalen Artenschutz ein filmisches Denkmal. Die faszinierende Geschichte der weltbekannten Primatenforscherin, einer der außergewöhnlichsten Frauen unserer Zeit, führt über mehrere Kontinente von den südenglischen Stränden bei Bournemouth über Nebraska zu den afrikanischen Regenwäldern des Gombe Nationalparks in Tansania bis zu den schmelzenden Gletschern Grönlands. Das sehr persönliche Porträt der charismatischen Umweltschützerin und heute 76jährigen UN-Friedensbotschafterin, die bereits mit Mahatma Gandhi verglichen wird, macht Mut zur Hoffnung.
,Manchmal verwechseln mich die Leute mit Diane Fossey‘, schmunzelt die Granddame des Artenschutzes im schlichten Rollkragenpullover gleich in der Eröffnungssequenz des Films. Ihre Fans loben sie dann für den Hollywoodstreifen ,Gorillas im Nebel‘ in dem Sigourney Weaver die Zoologin Fossey verkörpert, erzählt die inzwischen 76jährige sichtlich amüsiert in die Kamera. Ihre Reaktion: ,Haben Sie den Film gesehen?‘, fragt die weltbekannte Wissenschaftlerin daraufhin meist ihr Gegenüber. ,Und? Haben Sie bemerkt,‘ so die engagierte Umweltschützerin, ,dass die Hauptdarstellerin stirbt?‘ Allein dieser humorvolle Einstieg macht die Ikone sympathisch.
Schließlich war Jane Goodall die erste Forscherin, die Schimpansen im Urwald beobachtete. Die junge britische Autodidaktin revolutionierte die Forschung über Primaten. Es war im Jahr 1960, als die damals 23jährige in Begleitung ihrer Mutter Vanne, am Ufer des Tanganjikasees im Nordwesten Tansanias aus dem Boot steigt, um dort ihre Forschung zu beginnen. Von dem Tag an stößt die junge Frau, mit dem blonden Pferdeschwanz, die in Kaki-Shorts durch den Dschungel streift, eine sicher geglaubte Lehrmeinung nach der anderen um.
Heute ist die mehrfache Großmutter immer noch schlank und zierlich, hat den gleichen liebevoll gelassenen Gesichtsausdruck, nur der Pferdeschwanz ist grau. Sie wurde mit Preisen überhäuft. Laut Umfragen ist sie die bekannteste Wissenschaftlerin der Welt, weitaus bekannter als ihr einstiger Mentor, der Paläontologe Louis Leakey. Er war es, der sie auf eine abenteuerliche Expedition schickte, die mehrere Jahrzehnte dauern sollte. Damals war sie seine Sekretärin.
Eine ihrer wichtigsten Entdeckungen: Affen benutzen nicht nur Werkzeuge, um an Nahrung zu gelangen, sondern sie stellen sogar selbst welche her- eine Fertigkeit, die man bis dahin nur dem Menschen zubilligte. Das wissenschaftliche Vorgehen Goodalls war freilich ungewöhnlich. Anders als andere Forscher bezeichnete sie die von ihr beobachteten Affen nicht mit Nummern, sondern gab ihnen Namen. Das brachte ihr Kritik der etablierten Wissenschaftler ein. Diese behaupteten, dass dadurch die wissenschaftliche Distanz den Schimpansen abhanden käme. So gab es in der von Goodall beobachteten Gruppe einen männlichen Schimpansen mit grauem Kinn, der als erster Zutrauen zu Goodall fasste. Ihm gab sie den Namen David Greybeard.
Goodalls Feldforschungen in Tansania, ihre Annäherung an die Tiere und ihr Kommunizieren mit dem Schimpansen David Greybeard gehören zu den schönsten Episoden der Verhaltensforschung. Eingeblendete bisher unveröffentlichte Archivaufnahmen zeigen Goddalls erste Kontakte mit den Menschenaffen von damals. Heute lebt von den Schimpansen aus dieser Zeit, denen sie ihren Weltruhm verdankt, keiner mehr. Doch das Gebiet um den Gombe-Bach, ihrem zweitem Zuhause, wurde durch ihre Initiative zum Nationalpark erklärt. Geduldig beobachtet die Kamera, wie sich die Britin, nun fünfzig Jahre später, am Nordostufer des Lake Tanganyika immer noch einfühlsam einer großen Gruppe Schimpansen nähert, Vertrauen aufbaut, ganz wie in alten Zeiten.
Doch nach zwanzig Jahren am Tanganjikasee zieht sich Goodall 1986 aus der Forschung zurück. Zu diesem Zeitpunkt war ihr Sohn bereits erwachsen, sie hatte zwei Ehen hinter sich. Die erste mit dem niederländischen Dokumentarfilmer Hugo van Lawick endete durch Scheidung. Die andere zerstörte der frühe Krebstod ihres zweiten Mannes, Derek Bryceson, Chef der tansanischen Nationalparkbehörde. Freimütig erzählt sie vor der Kamera über ihre Beziehungen, die Eifersucht ihrer Ehemänner, ihre tiefe Depression als ihr zweiter Mann, die Liebe ihres Lebens, stirbt.
Denn Knauers intimes Portrait der unprätentiösen Umweltaktivistin erschöpft sich nicht nur in wunderbaren Tieraufnahmen, um die wichtigste Stationen in ihrem abenteuerlichen Leben nachzuerzählen. Durch ein dichtes Netz von Rückblenden, dramaturgisch eingängig aufeinander aufgebaut, nähert sich der Münchner Regisseur auch der privaten Person, zeigt am Ende seines sehenswerten Films wie sich ihr gespanntes Verhältnis zu ihrem heute 43jährigen Sohn positiv verändert hat.
Dass die Unermüdliche beseelt von ihrem stetigem Engagement mit schier unerschöpflicher Kraft für Natur und Umwelt Erstaunliches leistet, angefangen von ihrem globalen Programm für Kinder und Jugendliche ,Roots and Shoots‘ bis hin zum erfolgreichen ,Tacare‘-Projekt, das Mikrokredite an afrikanische Frauen vergibt, vermittelt Knauer mehr als anschaulich. Immer noch ist die leidenschaftliche Hoffnungsträgerin über 300 Tage rund um den Globus unterwegs, nun auch in ihrer Rolle als UN-Friedensbotschafterin. Ihr Credo: Dass wir die Umwelt nicht ohne Frieden schützen können, aber auch nicht friedlich leben können, ohne die Natur zu achten. Diese ganzheitliche Sicht der Dinge liegt ihr besonders am Herzen.“ (Programmkino.de)

Läuft von Do., 30.9., bis Mo., 4.10., jeweils um 19.15 Uhr sowie am Mi., 6.10., jeweils um 21.30 Uhr.
Internetseite: www.universumfilm.de





Pianomania – Auf der Suche nach dem perfekten Klang

von Lilian Franck & Robert Cibis; D/A 2009; 94 Min.; FSK: o.A.; Kamera: Jerzy Palacz; Musik: div.;
mit Stefan Knüpfer (Klavierstimmer) und den Pianisten Pierre-Laurent Aimard, Alfred Brendel, Lang Lang, Till Fellner und Julius Drake.




„Man muss kein Musik- oder gar Klassikfan sein, um Gefallen an dieser unterhaltsamen und faszinierenden Dokumentation über die Zusammenarbeit eines perfektionistischen Klaviertechnikers mit verschiedenen Spitzenpianisten wie Lang Lang und Alfred Brendel zu finden. Statt mit technischen und physikalischen Erläuterungen über das Wesen von Tönen zu langweilen, bezieht die Suche nach dem perfekten Klang ihre Spannung aus der Leichtigkeit und Freude, mit der sich die gut gelaunten Protagonisten ihrer Mission widmen.
Schnell, höher, weiter – so funktioniert die Welt heute. Auf sportlichem wie technischem Sektor geht es stets darum, Ergebnisse weiter zu optimieren. Die einen wollen Rekorde für die Ewigkeit, in ,Pianomania‘ verlangt es den Pianisten Pierre-Laurent Aimard nach einer ,Aufnahme für die Ewigkeit‘. Die Herausforderung für Stefan Knüpfer, Cheftechniker und Klavierstimmer beim Flügelhersteller Steinway & Sons in Wien: er soll den Konzertflügel so präparieren, dass er für einen Teil der Aufnahmen klingt wie ein Klavichord (ein Vorläufer des Cemabols), für einen anderen Teil hingegen die Charakteristik einer Orgel besitzt. Eine große Herausforderung, für die der sympathische und humorvolle Knüpfer eine Lösung finden muss.
Ähnlich den Helden fiktionaler ,Mission impossible‘-Filme bedient sich Knüpfer bei seiner ,Jagd‘ handelsunüblicher Gadgets. In einem Fall etwa montiert er auf die Spitze eines Sägeblattes einer elektrischen Stichsäge einen Tennisball, entwirft in einem anderen Fall sogenannte Klaviersegel, damit sich der Klang bestimmter Tastenbereiche nicht in die falsche Richtung verflüchtigt. Spaß und Kurzweil versprechen die kurzen Intermezzi mit den beiden Musikclowns Igudesman & Joo, die in ihren Shows die Eitelkeiten berühmter Pianisten und Geiger aufs Korn nehmen.
Als roter Faden der Dokumentation aber dient die bevorstehende Aufnahme von Johann Sebastian Bachs ,Kunst der Fuge‘ durch Pierre-Laurent Aimard (für die er 2009 den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhielt). Ganze Tage und Nächte ist Stefan Knüpfer damit beschäftigt, den Flügel Aimards Vorstellungen entsprechend vorzubereiten, am Ende wird doch noch ein zweites Instrument aus dem Keller des Wiener Konzerthauses herangeschafft. Die leidenschaftlichen und gestenreich geführten Gespräche zwischen den Klangexperten mögen dabei vor allem für Laien nicht immer ganz nachvollziehbar sein, illustrieren aber doch sehr wohl die grundsätzlich bestehende Schwierigkeit, einen Zustand zu beschreiben, der per se nur zu hören ist. Um das akustische Erlebnis aber so optimal wie möglich zu gestalten, haben die u.a. an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg ausgebildeten Filmemacher Lilian Franck und Robert Cibis sämtliche Szenen in Dolby Surround-Qualität und mit bis zu 90 Tonspuren aufgezeichnet.
Und auch für die Optik haben sie einiges getan. Zwischen die Etappen der Klangforschung und -findung sind impressionistische Aufnahmen aus Wien geschnitten, gerne verwischte Ansichten von Gebäuden, von fließendem Wasser, nächtlichen Lichtermeeren und -spielen, Wolkenformationen, Vögeln am Himmel etc. Man darf beim Zuschauen also auch auf andere Gedanken kommen, abschweifen, sich freuen über einen humorvollen Blick hinter die Kulissen eines Künstlerbereichs, den man allenfalls als fertiges Konzert-, Schallplatten- oder CD-Produkt zu Gesicht, bzw. Gehör bekommt.“ (Programmkino.de)

Läuft in der Woche ab 21. Oktober, die genauen Spielzeiten entnehmen Sie bitte dem Oktober-Programmheft.
Internetseite: www.pianomania.de

 





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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