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neues vom unabhängigen amerikanischen Kino

 

„Chloe

 

 

 

Chloe

von Atom Egoyan; CND/USA/F 2009; 106 Min.; FSK: ab 12; Kamera: Paul Sarossy; Musik: Mychael Danna; mit Julianne Moore, Liam Neeson, Amanda Seyfried, Max Thierot, R.H. Thompson, Nina Dobrev u.a.


„Aus ,Nathalie‘ wurde ,Chloe‘. Das Remake der im Original mit Fanny Ardant und Emmanuelle Béart prominent besetzten französischen Dreiecksgeschichte ist ein Genre-Zwitter, der zwischen kühlem Eifersuchts-Thriller und erotischem Drama changiert. Regisseur Atom Egoyan – bislang als Autorenfilmer bekannt – spielt darin mit unserer Wahrnehmung, wobei er den Mechanismen des Suspense-Kinos vertraut. Julianne Moore und Amanda Seyfried sind die Hauptdarsteller in dieser zunehmend gefährlichen Ménage-à-trois.
Es könnte die perfekte Ehe sein. Jedenfalls gibt es wohl nicht wenige, die Catherine (Julianne Moore) und ihren Mann David (Liam Neeson) um ihr scheinbares Glück beneiden. In ihrem Beruf sind beide überaus erfolgreich, er als Musikprofessor, sie als Gynäkologin mit eigener Praxis. Das Paar kann zudem stolz auf sein repräsentatives Zuhause und seinen Sohn Michael (Max Thieriot) sein, der bereits im Teenager-Alter Klavierkonzerte gibt. Die Wahrheit – man ahnt es bereits – ist indes eine ganz andere. Schon länger verdächtigt Catherine ihren Mann der Untreue. Doch der letzte Beweis hierfür fehlte ihr bislang. Um ganz sicher zu sein, setzt sie schließlich ein Callgirl auf ihn an. Chloe (Amanda Seyfried) ist jung, sexy, attraktiv und somit ein echter Prüfstein für Davids Treue und Loyalität.
Mit der Neuverfilmung der französischen Dreiecksgeschichte ,Nathalie‘ betritt der kanadische Independent-Regisseur Atom Egoyan nur auf den ersten Blick für ihn ungewohntes Terrain. Es stimmt, dass ,Chloe‘ an der Oberfläche wesentlich konventioneller als die meisten seiner früheren Arbeiten anmutet – der Plot folgt nahezu lehrbuchmäßig dem Aufbau eines typischen Eifersuchts-Thrillers –, gleichwohl verstecken sich in der geradlinigen Erzählung viele Gedanken und Ideen, die Egoyan schon immer beschäftigten. Vor allem spielt das von ,Secretary‘-Autorin Erin Cressida Wilson verfasste Drehbuch mit der nicht immer klar erkennbaren Grenze zwischen dem, was wahr ist und dem, was lediglich unserer subjektiven Perspektive und Wahrnehmung entspringt. Dahinter verbirgt sich die Frage, wem man vertrauen kann und wem nicht. Es ist eine Frage, die hier auch den Zuschauer umtreibt und die eine Brücke zu Egoyans Noir-Thriller ,Wahre Lügen‘ schlägt.
Wir erleben die Dinge aus Catherines Sicht und nicht von einem neutralen Standpunkt aus – ein kleiner, aber am Ende doch entscheidender Unterschied, der in diesem Genre zugegeben gerne als recht banaler Plot-Twist benutzt wird. Nicht so bei Egoyan und Wilson. Die Konstruktion der narrativen Perspektive verweist auf einen gefährlichen Kontrollverlust, dessen Brisanz Catherine erst bemerkt, als es fast schon zu spät ist. Sie ist es, die sich von Chloe und ihren erotischen Beichten auf eine bestimmte Art angezogen fühlt. Die anfängliche Angst, ihr diffuses Misstrauen gegenüber dem eigenen Ehemann weicht unmerklich einer erotischen Faszination.
Egoyan transportiert den Taumel zwischen obsessivem Verlangen, Ekel, Abscheu und Hingabe vornehmlich über eine kühl-elegante Bildsprache – Designerchic, wohin das Auge blickt – und eine Betonung der Details. Die erste Berührung zwischen Catherine und Chloe ist beispielhaft für diese Inszenierung, bei der jeder Blick, jede Geste wie ein Rad in das andere greift. Dazu liefert Filmkomponist Mychael Danna die passende, stimmungsvolle Untermalung. In den feinen Verästelungen aus (homo-)erotischer Suspense und bewährten Thriller-Elementen bewegen sich die Schauspieler jederzeit souverän. Vor allem Julianne Moore und Amanda Seyfried bieten eine couragierte Leistung. Die eine als verletzte Ehefrau, die andere als verführerische Femme fatale.“ (Programmkino.de)


„Intelligent konstruiert und emotional inszeniert berührt Atom Egoyans Film in seiner bitteren Ehrlichkeit und führt in seinen spannendsten Momenten zu einem aufreibenden Nervenkitzel, den der Stoff auf den ersten Blick nicht vermuten lässt. Die drei Figuren, um die der Film kreist, erleben die vielen erotisch aufgeladenen Momente mit großer Lust aneinander und Julianne Moore und Liam Neeson schaffen es, das unsichtbare Gewissen zum Vorschein zu bringen – das gute und das schlechte. Denn beides ist in Atom Egoyans Film gleichermaßen präsent.“ (critic.de)


„Wo das Original mit flotter Frauenzeitschriften-Logik das Fremdgeherspielchen vorantreibt, da orientiert sich Egoyan eher an Alfred Hitchcocks epochalem Verführungskrimi ,Vertigo‘. Atom Egoyans Heimatstadt Toronto flirrt in seinem neuen formvollendeten Erotik-Melodram tatsächlich so fieberhaft, verheißungsvoll und schließlich fatal wie seinerzeit Alfred Hitchcocks Vision von San Francisco.“ (Der Spiegel)

Läuft von Mo., 12.7., bis Mi., 14.7., jeweils um 21.30 Uhr.
Erm. Eintritt für Schüler & Studenten: 5,– Euro.
Internetseite: www.chloe.kinowelt.de