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A serious Man      
 
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neues vom unabhängigen amerikanischen Kino

 

der neue Film der Coen-Brüder: „A serious Man“

 

 

 

Bad Lieutenant

„Bad Lieutenant – Port of Call: New Orleans“ von Werner Herzog; USA 2009; 122 Min.; FSK: ab 16; Kamera: Peter Zeitlinger; Musik: Mark Isham;
mit Nicolas Cage, Eva Mendes, Xzibit, Val Kilmer, Fairuza Balk, Brad Dourif, Vondie Curtis Hall, Tom Bower, Shawn Hatosy u.a.



Als einer der Besten im Dezernat wird Terence McDonagh mit der Aufklärung eines Massakers an einer afrikanischen Einwandererfamilie beauftragt. Der Botenjunge Daryl (Denzel Whitaker) ist der einzige Augenzeuge des brutalen Mordes. Er ist bereit, gegen den Drogendealer Big Fate (Xzibit) auszusagen, auf dessen Konto der Mord an der Familie geht.
Terence, der ab sofort für die Sicherheit von Daryl verantwortlich ist, gerät immer mehr in einen Sog aus Drogen und Korruption. Die komplizierten Ermittlungen, Drogenbeschaffung und die Begleichung alter Wettschulden werden für Terence zunehmend zu einer Gratwanderung. Als seine Freundin Frankie auch noch in die Dinge hineingezogen wird und ernsthaft in Gefahr gerät, droht die Situation außer Kontrolle zu geraten … (Verleihinfo)


„Das Vorhaben und die Namen der Beteiligten ließen aufhorchen: Autorenfilmer Werner Herzog übernahm die Neuinterpretation von Abel Ferraras düsterem Polizei-Drama ,Bad Lieutenant‘. In die Fußstapfen Harvey Keitels trat hierbei Oscar-Preisträger Nicolas Cage, der zuletzt nicht immer ein glückliches Händchen bei seiner Rollenauswahl bewies. Nicht so in diesem Fall. Dem Gespann Herzog/Cage gelang ein in vielerlei Hinsicht anderer Thriller, der weniger auf Suspense denn auf dem Wahnwitz seiner Hauptfigur und einer guten Portion Zynismus basiert.
Siebzehn Jahre ist es inzwischen her, seitdem Harvey Keitel in Abel Ferraras Crime-Drama ,Bad Lieutenant‘ als korrupter, drogenabhängiger New Yorker Cop menschliche Abgründe auslotete. Die Idee, diese Geschichte erneut zu erzählen – mit Hollywood-Star Nicolas Cage in der Hauptrolle und dem Autorenfilmer Werner Herzog auf dem Regiestuhl – mag zunächst recht abenteuerlich anmuten. Immerhin galt Ferraras Vorlage als der nahezu perfekte Film. Tatsächlich ist Herzogs Version dann auch mehr eine zynisch-bittere Ergänzung denn eine bloße Kopie.
Cage spielt Terence McDonagh, einen Ermittler des Morddezernats von New Orleans. Für seinen angeblich heldenhaften Einsatz während der ,Katrina‘-Katastrophe zum Lieutenant befördert, leidet er seitdem unter starken Rückenschmerzen. Seinen Dienst übersteht er nur noch dank diverser Schmerzmittel. Dass er bei jeder sich bietenden Gelegenheit Kokain konsumiert, kommt erschwerend hinzu. Terence ist ein Wrack, seelisch wie körperlich. Doch all das hält ihn nicht davon ab, die Leitung in einem brutalen Mordfall zu übernehmen. Irgendwer hat unter einer Familie afrikanischer Einwanderer ein regelrechtes Massaker in Auftrag gegeben. Schon bald legen die Indizien eine Verstrickung ins Drogenmilieu nahe, in dem ein gewisser ,Big Fate‘ (Rapper Xzibit) die Fäden in der Hand hält.
Die Handlung und damit der eigentliche Mordfall sind letztlich nur Staffage. Eigentlich beobachtet Herzog einen Mann bei seinem Versuch, sich nicht in den eigenen Abgründen zu verlieren. McDonagh kämpft gegen seine Drogensucht, gegen alte Wettschulden, gegen das eigene, viel zu große Ego und eine fast schon pathologische Selbstüberschätzung, die ihn immer wieder in Bedrängnis bringt. Auch die überaus komplizierte Beziehung zu seiner Freundin Frankie (Eva Mendes), einer Edel-Prostituierten, für die er sich verantwortlich fühlt, erweist sich als emotionaler Stolperstein. Cages Lieutenant taumelt mehr, als dass er Herr über das Geschehen wäre. (…)
Immer wieder verlässt Herzog zudem den Pfad üblicher Genrekost. Sei es wenn er nach einer heftigen Schießerei den soeben tödlich Getroffenen einen letzten Tanz aufführen oder McDonagh mit zwei Leguanen gedankenabwesend ins Nichts starren lässt. Die Tier-Metaphorik durchzieht ,Bad Lieutenant‘ wie Herzogs gesamtes Oeuvre, was nicht zuletzt auch dazu beiträgt, dass seine Neuinterpretation von Ferraras Meisterstück jederzeit unverwechselbar bleibt. (…) Gerade die letzte Viertelstunde arbeitet auf ein bemerkenswert mutiges Ende hin, das sich über die oftmals moralinsauren Gesetzmäßigkeiten des Thrillers mit sichtlicher Freude hinwegsetzt.“ (Programmkino.de)


„Tatsächlich wirkt das Ergebnis so, als hätte Werner Herzog nur darauf gewartet, einmal einen echten Hollywood-Mainstreamfilm drehen zu können – noch der Vietnam-Film ,Rescue Dawn‘ (2006) war, Christian Bale hin oder her, in erster Linie eine Variation der Dschungel-Eskapaden des Regisseurs mit Klaus Kinski aus den 70er und 80er Jahren. Wie eine bloß routinierte Auftragsarbeit sieht ,Bad Lieutenant – Port of Call: New Orleans‘ dabei in keiner Minute aus. Mit viel Verve geht Werner Herzog an die Arbeit, der Film eilt flüssig von Schauplatz zu Schauplatz, Nicolas Cage von Drogenrausch zu Drogenrausch und von Grimasse zu Grimasse, begleitet wird beides von energetischer Musik.“ (critic.de)


„Es ist eine Paraderolle für Nicolas Cage. (…) Nun stürzt er sich, wie schon in ,Leaving Las Vegas‘ in die Höllenfahrt eines Abhängigen, den verzweifelten Kampf gegen den Selbstverlust – einschließlich schlussendlicher Rettung durch die Prostituierte Frankie. Eine finstere Fahrt durch die menschliche Nacht, ein klassischer Genrefilm, dem Werner Herzog seinen unverkennbaren Stempel aufgedrückt hat, in der düsteren Sicht auf menschliche Abgründe, auf Verzweiflung und das, wozu sie den Menschen treibt.“ (Der Tagesspiegel)

Läuft von Do., 25.3., bis Mo., 29.3., jeweils um 21.45 Uhr.
Erhöhter Eintritt wg. Überlänge: 6,50 Euro.
Internetseite: www.badlieutenant-derfilm.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Männer, die auf Ziegen starren

,The Men who stare at Goats‘ von Grant Heslov; USA 2009; 93 Min.; FSK: ab 12; Kamera: Robert Elswit; Musik: Rolfe Kent;
mit Ewan McGregor, George Clooney, Jeff Bridges, Kevin Spacey, J.K. Simmons, Robert Patrick, Stephen Root, Stephen Lang, Rebecca Mader u.a.



Als Reporter Bob Wilton den Soldaten Lyn Cassady kennenlernt, stolpert er über die Story seines Lebens. Cassady behauptet, zu einer geheimen Militäreinheit namens „New Earth Army“ zu gehören, deren Mitglieder Gedanken lesen, durch Wände laufen und sogar Ziegen durch Angucken töten können. Nun ist der Gründer des Programms, Bill Django, verschwunden und Cassady ist auf einer Mission, ihn zu finden. Fasziniert von den Geschichten seines neuen Freundes schließt Wilton sich an - und gerät in ein haarsträubendes Abenteuer … (Verleihinfo)


„Der Reporter Bob Wilton wittert eine große Story, als er sich in Kuwait dem Ex-Soldaten Lyn Cassady anschließt. Angeblich war dieser ein Mitglied der Spezialeinheit ,New Earth Army‘, die sich – mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestattet – in alternativer Kriegsführung übten. Die Verfilmung des Bestsellers von Jon Ronson, erinnert in jeglicher Hinsicht an ein Werk der Coen-Brüder. Ein herrlich schräger Filmtrip mit grandioser Besetzung.
Unglaublich, aber wahr: Die US-Armee trainiert übersinnliche Jedi-Krieger. Diese oder eine ähnliche Schlagzeile wittert der Kleinstadt-Reporter Bob Wilton (Ewan McGregor), als er in Kuwait die Bekanntschaft mit einem gewissen Lyn Cassady (George Clooney) macht. Bis dahin waren seine Versuche, als Embedded Journalist in den Irak zu reisen, nicht gerade von Erfolg gekrönt. Die Ablehnung seiner Einreise reihte sich dabei in die Misserfolge jüngster Vergangenheit ein. Misserfolge die darin gipfelten, dass seine Frau sich von ihm trennte und ausgerechnet mit seinem Chefredakteur durchbrannte. Als Kriegsreporter im Irak wollte er nun Eindruck schinden und zeigen, was für ein ganzer Kerl er doch ist. Der Ex-Soldat Cassady könnte ihm dabei helfen. Er soll die Geschichte liefern, die Bob Wilton so dringend braucht.
Lyn Cassady war Mitglied einer Spezialeinheit, die sich ,New Earth Army‘ nannte. Hippie-Krieger, deren übersinnliche Fähigkeiten – eingebildet oder auch nicht – unter der Leitung des Ober-Gurus Bill Django (Jeff Bridges) trainiert wurden. Auf dem Stundenplan standen Hellsehen, durch Wände gehen und sogar das Töten von Ziegen durch bloßes Anstarren. Ein Haufen selbsternannter ,Jedi-Krieger‘, die bewusstseinserweiternde Drogen nahmen und alternative Kampfmethoden entwickelten. Auf dem gemeinsamen Weg durch die Wüste, erzählt Lyn seine irrwitzige Geschichte. Dabei geraten er und Bob von einem Schlamassel ins nächste. Und umso näher die Beiden dem noch unbekannten Ziel kommen, umso klarer wird, dass die Geschichten der New-Age-Krieger von damals bis ins gegenwärtige Irak reichen. Es gibt noch eine letzte Mission zu erfüllen und sowohl Lyn und Bob als auch ein ganzer Haufen Ziegen sollen dabei eine wichtige Rolle spielen.
Regisseur Grant Heslov ist kein unbeschriebenes Blatt. Als Co-Autor von ,Good Night, and Good Luck‘ war er nebst George Clooney bereits für den Drehbuch-Oscar nominiert. Darüber hinaus arbeitet er in Hollywood erfolgreich als Fernsehregisseur, Darsteller und Produzent. Letzteres unter anderem für ,Ein (un)möglicher Härtefall‘ von Joel und Ethan Coen. So verwundert es nicht, dass sein erster großer Kinofilm in jeglicher Hinsicht wie ein Werk der eigentlich doch eher unvergleichlichen Coen-Brüder (,No Country for Old Men‘) daherkommt. Selbst sein grandioser Cast könnte einem Coen-Werk entsprungen sein – inklusive der Ziegen. Hervorzuheben ist dabei George Clooney, der insbesondere in den Rückblenden als revolutionärer Friedenskrieger begeistert. Ebenso Jeff Bridges, der hier – wie auch aktuell in ,Crazy Heart‘ – perfekt besetzt ist.
Eine herrlich schräge Geschichte, die auf dem Sachbuch-Bestseller von Jon Ronson basiert. Der britische Autor deckt darin die abstrusen Ideen auf, die das US-Militär in der Tat angewandt hat. (…)“ (Programmkino.de)


„Für welche Einsätze die übersinnlichen Kämpfer eigentlich gebraucht werden, ist völlig schleierhaft – der Krieg führt sich selbst ad absurdum. George Clooney zeigt in dieser rasend komischen Farce einmal mehr, was für ein begnadeter Komödiant er ist. Anders als in der Irak-Kriegs-Satire ,Three Kings‘, ebenfalls mit Clooney, wird hier die Karikatur des kriegerischen Widersinns konsequent bis zum Ende durchgehalten, ohne politisch korrekte Korrektur.“ (Neue Zürcher Zeitung)

Läuft von Do., 18.3., bis Sa., 20.3., jeweils um 21.00 Uhr und von So., 21.3., bis Di., 23.3., jeweils um 19.15 Uhr.
Internetseite: www.ziegen.kinowelt.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

A Serious Man

von Joel & Ethan Coen; USA 2009; 106 Min., FSK: ab 12; Kamera: Roger Deakins; Musik: Carter Burwell;
mit Michael Stuhlbarg, Adam Arkin, Richard Kind, Sari Lennick, Aaron Wolff, Jessica McManus u.a.



„Eigentlich lebt Larry Gopnik ein beschauliches Leben in einer kleinen jüdischen Gemeinde im Mittleren Westen der USA. Er ist ein liebender Ehemann, fürsorglicher Vater und erfolgreicher Professor. Aber irgendwie läuft plötzlich nichts mehr so wie gewohnt. Larrys Gattin verlangt die Scheidung, um mit ihrem selbstgefälligen neuen Liebhaber zusammenleben zu können. Sein Sohn hat Probleme in der Schule, die Tochter bestiehlt ihn, um sich eine Nasenkorrektur finanzieren zu können. Sein psychisch labiler Bruder hockt nur noch auf der Couch herum. Und als ob die Familie nicht schon genügend Probleme bereiten würde, gerät auch noch Larrys Karriere ins Trudeln. So beschließt er, sich Hilfe bei einem Rabbi zu holen. Doch auch das ist leichter gesagt als bekommen …
Willkommen bei den Gopniks! Sohn Danny steht kurz vor der Bar Mitzwa, will aber eigentlich lieber kiffen. Tochter Sarah klaut ihrem Vater Geld, weil sie auf eine Nasen OP spart. Onkel Arthur schläft seit Wochen auf der Couch, und Ehefrau Judith will sich scheiden lassen. Kein Wunder, dass dem armen Larry Gopnik das alles zu viel wird. Als dann auch noch sein Job in Gefahr ist, weil ein unzufriedener Student ihn zu bestechen versucht, kann dem vom Schicksal so arg gebeutelten Professor nur noch ein Rabbi helfen. Glaubt er zumindest…
Wenn die Coen-Brüder mit ,A Serious Man‘ die Geschichte eines ernsthaften Mannes erzählen, dann wird es nicht lange ernsthaft zugehen. Nach ihrem Oscar-prämierten ,No country for old men‘ und der Spionagesatire ,Burn after reading‘ folgt nun der nächste Geniestreich der Brüder Joel Coen und Ethan Coen. In ihrer bislang wohl schwärzesten Komödie schildern sie mit beißendem Spott und genüsslicher Schadenfreude, wie das Leben eines ganz normalen Mannes total den Bach hinuntergeht.
Wie schon bei ,Fargo‘ besetzten die unkonventionellen Regisseure auch in ,A Serious Man‘ die Rollen größtenteils mit unbekannten Darsteller, die sie bei lokalen Castings am Drehort in Minneapolis fanden. Selbst Hauptdarsteller Michael Stuhlbarg dürfte lediglich dem New Yorker Theaterpublikum ein Begriff sein. Der sympathische Mime sorgte jedoch schon bei der Uraufführung des Films in Toronto für Furore und konnte mit seinem talentierten Auftritt als vom Pech verfolgter Loser Larry die US Presse ebenso für sich begeistern.


„Dass die Zeichnung der Charaktere in diesem Film dabei wieder einmal speziell prägnant ausgefallen ist, liegt nicht nur an dem hervorragenden Ensemble, das die Coens vor der Kamera zusammengebracht haben, sondern auch an der Tatsache, dass sie nach all den Rollen für George Clooney auf die Magie der Stars verzichtet haben. In den leicht hyperrealen Bildern von Kameramann Roger Deakins, die den leisen Wahn gutbürgerlichen Mittelmasses und den sanften Grusel der sechziger Jahre in hellen Blau-Olive-Tönen einfangen, finden sich die Figuren dieses Kosmos in einer lichten, gläsernen und modern-kantigen Welt gefangen, durch die sie ziellos treiben wie Fische durch ein Aquarium.“ (Neue Zürcher Zeitung)


„Nun kann man den Coens immer eine gewisse Lust an der Bosheit und einen manchmal allzu ungnädigen Umgang mit der conditio humana unterstellen. Das macht ihre Filme ja oft so unterhaltsam. Dennoch zeigt allein die Tatsache, dass das gewohnte prominente Schauspielerpersonal der Brüder diesmal zugunsten einer weitgehend unbekannten Darstellerriege weichen musste, dass es ihnen um mehr gehen könnte als die üblichen Marionettenspiele zweier zynischer Regie-Götter.“ (Der Spiegel)

Läuft von Do., 11.3., bis Mo., 15.3., jeweils um 21.15 Uhr.
Internetseite: www.tobis.de