von Simon Curtis; USA/GB 2011; 99 Min.; FSK: ab 6; Kamera: Ben Smithard; Musik: Conrad Pope, Alexandre Desplat;
mit Michelle Williams, Eddie Redmayne, Kenneth Branagh, Julia Ormond, Emma Watson, Dougray Scott u.a.
„Eine Ikone wie Marilyn Monroe scheint auf ewig mit bestimmten Bildern, Posen und Sätzen verbunden. Die berühmte Szene mit dem wehenden Kleid aus ,Manche mögen’s heiß‘ oder das gehauchte Geburtstagsständchen an John F. Kennedy sind dafür nur zwei Beispiele. Jede Schauspielerin, die als Marilyn Monroe auftritt, muss sich mit diesen Bildern vergleichen lassen. Michelle Williams (,Brokeback Mountain‘, ,Blue Valentine‘) scheute dieses Wagnis nicht zum Glück. Für ihre angenehm klischeereduzierte Darbietung erhielt sie eine verdiente Oscar-Nominierung. Dabei ist ,My Week with Marilyn‘ sowohl ein Film über den vielleicht größten Kinostar des 20. Jahrhunderts als auch über eine kurze aber intensive Liebe.
Zusammen mit Lady Di und der Queen war sie die wohl meistfotografierte Frau des 20. Jahrhunderts. Norma Jean Baker, besser bekannt als Marilyn Monroe, ist bis heute der Inbegriff von Glamour, Sex-Appeal und Verführung. Ihr tragischer, viel zu früher Tod beschäftigte die Menschen ebenso wie die Frage, wer diese bildhübsche, innerlich scheinbar doch so unsichere Person wirklich war. Auch ,My Week with Marilyn‘ versucht sich an einer Antwort, wobei der Film ganz bewusst auf eine objektive, analytische Perspektive verzichtet. Sein Blick auf die Stilikone Marilyn Monroe ist vielmehr der eines Verliebten fasziniert, verwirrt und manchmal nicht ganz zurechnungsfähig. Angesichts unzähliger Dokumentationen über den vielleicht größten Filmstar aller Zeiten, die sich allesamt an Fakten und Mythen mühsam abarbeiteten, lässt sich ein solch alternativer Ansatz durchaus rechtfertigen.
Der besondere Blickwinkel ist eine direkte Folge der Vorlage. Diese stammt vom britischen Dokumentarfilmer und Autoren Colin Clark. In seinen Mitte der 90er Jahre veröffentlichten Erinnerungen mit dem Titel ,The Prince, the Showgirl and me‘ schrieb Clark über seine Erlebnisse am Filmset von ,Der Prinz und die Tänzerin‘. Es war rückblickend einer der weniger erfolgreichen Auftritte Marilyn Monroes (Michelle Williams), die während der Dreharbeiten in England nicht nur die Geduld von Filmpartner und Regisseur Sir Laurence Olivier (wunderbar überdreht: Kenneth Branagh) auf eine harte Probe stellte. Regelmäßig erschien sie verspätet am Set, wirkte oftmals unkonzentriert und abwesend. Dass ihr Ehemann, der berühmte Dramatiker Arthur Miller (Dougray Scott), bereits nach wenigen Tagen ohne sie die Heimreise antrat, verschlimmerte noch ihre Einsamkeit. In dem jungen Laufburschen Colin (Eddie Redmayne) fand sie schließlich einen neuen Vertrauten. Zusammen mit ihm ließ sie für einige Tage sogar die Hektik der Dreharbeiten hinter sich.
Was während dieser Zeit geschah, konnte jeder in Clarks zweitem Monroe-Buch ,My Week with Marylin‘ nachlesen. Der gleichnamige Film konzentriert sich nun auf die besondere Beziehung des jungen, filmbegeisterten Mannes mit dem mitunter recht komplizierten, oftmals unglücklichen Hollywood-Star. Dabei verfällt auch Clark Marilyns Charme. Entgegen aller Warnungen verliebt er sich in sie. Was sie in ihm sieht, ist hingegen nicht so leicht zu beantworten. Zweifellos genießt sie seine Nähe und Aufmerksamkeit. Bei einem spontanen Ausflug aufs Land ähnelt die Stimmung plötzlich einem zwanglosen Urlaubsflirt, welchen Regisseur Simon Curtis in die dazu passenden Impressionen eines ländlichen Idylls verpackte. Der anschließende Besuch von Schloss Windsor zwingt Marilyn dann aber schnell wieder in der Rolle des Filmstars. Ganz Profi gibt sie sich so, wie man es von ihr erwartet.
Für Michelle Williams war die Rolle nicht ohne Risiko. Bei einem ,Larger-than-Life‘-Star wie Marilyn Monroe, von dem jeder glaubt, er kenne ihn, liegt die Gefahr des Scheiterns oder einer bloßen Imitation sehr nahe. Doch davon kann hier nicht die Rede sein. Auch wenn eine Oscar-Nominierung nicht immer ein Ausweis großer Schauspielkunst sein muss, so trifft diese Umschreibung auf Michelle Williams’ Marilyn ohne Einschränkung zu. Eigentlich spielt sie in ,My Week with Marilyn‘ gleich drei Rollen und damit drei durchaus gegensätzliche Facetten des blonden Sexidols. Neben des naiven Film-im-Film-Parts bewegt sie sich ständig zwischen der öffentlichen Marilyn mit all ihren Klischees und der privaten, doch sehr unsicheren Norma Jean. Es ist die Schizophrenie eines Filmstars, die ein Schauspieler schon von Berufswegen beherrschen muss. Marilyn, so deutet der als gediegenes Ausstattungskino angelegte Film an, wird eines Tages an diesem Widerspruch zerbrechen.“ (Programmkino.de)
Läuft von Do., 26.4., bis Di., 1.5., jeweils um 21.30 Uhr
Ermässigter Eintritt für Schüler und Studenten: 6, Euro.
Internetseite: www.myweekwithmarilyn.de